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21. Sep 2009

Trier: Zuwachs für die Fanprojekt-Familie im Südwesten

Mit dem Start für das Fanprojekt in Trier ist die Zahl der Fanprojekte in Deutschland nun auf 42 für 46 Fanszenen angewachsen. Neben Kaiserslautern und Mainz ist Trier die dritte Einrichtung im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die beiden Mitarbeiter Dominik Boulanger und Thomas Endres berichten über Renovierungsarbeiten, die Fanszene im Moselstadion und die künftigen Pläne.

Rund drei Wochen wird es etwa noch dauern, bis das Fanprojekt offiziell eröffnet werden kann. Aber viele Trierer Fans kennen die Räumlichkeiten inzwischen schon sehr gut, schließlich haben sie beim Bodenverlegen, beim Wändestreichen und den anderen anfallenden Arbeiten mitgeholfen. „Wir sind aus der Fanszene wirklich sehr tatkräftig unterstützt worden“, sagt Dominik Boulanger. „Da standen jeden Tag Leute vor der Tür, um zu helfen. Jetzt müssen wir uns noch um die Einrichtung kümmern, Möbel zusammenbauen und dann können die Fans noch ihre kreative Energie an den Wänden im Gruppenraum ausleben.“ Dominik Boulanger ist seit dem 1. August als Vollzeitkraft im Fanprojekt Trier beschäftigt, unterstützt wird er von Thomas Endres, der eine halbe Stelle besetzt. „Thomas hat in den letzten anderthalb Jahren maßgeblich an der Entstehung des Fanprojektes mitgewirkt, er hat Strukturen aufgebaut und Kontakte geknüpft, in die Fanszene ebenso wie in den Verein. Nicht zuletzt deshalb steht man hier in Trier dem Fanprojekt so aufgeschlossen gegenüber.“ Während Thomas Endres selbst regelmäßiger Stadionbesucher des SV Eintracht Trier war, liegen Dominik Boulangers Vereinsvorlieben bei seinem Heimatklub Rot-Weiß Essen und Werder Bremen.

In den ersten Arbeitswochen steht vor allem die endgültige Einrichtung der Räumlichkeiten auf dem Plan. Das Trierer Fanprojekt befindet sich etwa 15 Gehminuten vom Moselstadion entfernt. In der Hausmeisterwohnung des ehemaligen Milchhofes in Trier ist genug Platz für Büro, Küche, Bad, einen großen Gruppenraum, ein Besprechungszimmer und einen kleinen „Spielraum“, in dem ein Tischkicker und eine Dartscheibe ihren Platz finden werden. „Zukünftig soll das Fanprojekt an zwei Tagen in der Woche zwischen 16:00 und 22:00 Uhr sowie bei Heimspielen als Treffpunkt dienen“, so Thomas Endres. „In den Räumen können sich insbesondere jugendliche Fußballfans treffen, um gemeinsam ihre Freizeit zu verbringen, Choreos vorzubereiten sowie weitere fanspezifische Aktivitäten zu planen und zu organisieren. Außerdem bieten wir natürlich auch Gesprächstermine für Einzelberatungen bei persönlichen, schulischen oder sonstigen Problemen an.“ Ansonsten gilt es in der Anfangsphase des neuen Fanprojektes vor allem darum Beziehungsarbeit zu leisten - also die Fanszene, Vereinsverantwortliche und andere wichtige Kooperationspartner kennenlernen und eine Vertrauensbasis für die Arbeit schaffen.

Tradition in der Regionalliga West

„Hier kommen durchschnittlich etwa 2000 bis 2500 Zuschauer zu den Heimspielen“, berichtet Thomas Endres. „Das ist für die Regionalliga kein schlechter Schnitt, und wenn der Verein gerade erfolgreich ist, kommen natürlich noch mehr. Auswärts sind immer mindestens 200 Fans dabei.“ Vor nicht allzu langer Zeit – in der Saison 2004/2005 – spielte Eintracht Trier noch in der 2. Bundesliga, dann ging es hinunter bis in die Oberliga und seit der vergangenen Saison spielt der Traditionsverein in der 4. Liga. „Derbys sind hier die Spiele gegen Saarbrücken und Worms“, erzählt Dominik Boulanger, „und auch gegen Kaiserslautern und Mainz – in der Regionalliga jedoch leider nur die zweiten Mannschaften.“ Die im Stadion aktivsten Fans sind auch in Trier die Ultras. Zu den „Insane Ultras“ gehören etwa 45 Mitglieder, daneben gibt es momentan noch zwei weitere ultraorientierte Gruppen und natürlich die alteingesessenen Fans und Fanklubs. Ein Thema, das zum Start des neuen Fanprojekts auch in den Medien eine Rolle spielte, waren rechtsextreme Tendenzen in der Trierer Fanszene. „Die Auseinandersetzung mit und Bekämpfung von Rechtsextremismus im Stadion und der Fanszene ist natürlich auch ein Aspekt unserer Arbeit, das ist klar“, erläutert Dominik Boulanger. „Die Ultras treten aber im Stadion betont unpolitisch auf, das gehört bei den Jungs zu ihrem Selbstverständnis dazu.“ Jungs? Gehen in Trier denn Frauen nicht zum Fußball? Doch natürlich, räumt der neue Fanprojektler ein, auch bei den Renovierungsarbeiten in den Räumen waren Mädchen dabei, ebenso wie in der aktiven Fanszene.

Dominik Boulanger und Thomas Endres

Die Projekte für die kommenden Monate werden die beiden Mitarbeiter des Fanprojektes gemeinsam mit den jugendlichen Fans entwickeln. Einige Ideen wie die Gründung einer Fanprojektmannschaft mit regelmäßigen Terminen zum gemeinsamen Bolzen, die Veranstaltung von Diskussionsabenden oder aktives Engagement im karitativen Bereich gibt es bereits. „Ein Anliegen der Ultras ist es, ihre besondere Kultur und ihr Verständnis von Ultrà den Trierern und auch den anderen Zuschauern im Moselstadion näher zu bringen und so auch den Ruf von Fußballfans insgesamt zu verbessern“, ergänzt Thomas Endres. Für die Mitarbeiter des Fanprojekts steht außerdem auch Netzwerkarbeit außerhalb des Stadions auf dem Programm: „Vom Verein und insbesondere dem Fanbeauftragten werden wir schon sehr gut unterstützt. In Zukunft wollen wir unsere Arbeit aber natürlich auch bei den anderen Einrichtungen der Jugendhilfe vorstellen und uns in der Stadt Trier vernetzen“, so Dominik Boulanger.

Träger des Fanprojekts Trier ist das „Exzellenzhaus“, ein Jugend- und Kulturzentrum in Trier. Die Förderung teilen sich zu je einem Drittel der Deutsche Fußball-Bund, das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Trier sowie der Landkreis Trier-Saarburg. Den kommunalen Anteil übernimmt derzeit komplett die Sparkasse Trier.
Dominik Boulanger studierte an der Uni Duisburg-Essen Sozialwissenschaften und sammelte während eines viermonatigen Praktikums beim Fanprojekt Bremen Erfahrungen in der Fanprojektarbeit.
Thomas Endres studierte an der Uni Trier Politik, VWL und Soziologie. Seit Anfang 2008 hat er im Rahmen des Bundesprogramms „Vielfalt tut Gut“ die Arbeit des Fanprojektes initiiert.
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