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Leipzig (1992/2011)

Nach langem Ringen der Stadt Leipzig um einen neuen Träger für die Fußballfanarbeit und in enger Zusammenarbeit mit der KOS konnte am 15. November 2011 das Fanprojekt Leipzig in Trägerschaft der OUTLAW Gesellschaft für Kinder- und Jugendhilfe gGmbH die Arbeit aufnehmen. Das Fanprojekt wird durch den DFB, die Stadt Leipzig und das Land Sachsen finanziert.

Die OUTLAW gGmbH steht bundesweit für innovative Angebote im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, betreibt in Leipzig Kitas und Kindertagespflegestellen, bietet erzieherische Hilfen an und beteiligt sich am Modellprojekt zur Entwicklung von Kinder- und Familienzentren. Der Träger kann auch in der Fanarbeit auf Erfahrungen im Aufbau neuer Projekte zurückgreifen – seit Juni 2011 verantwortet OUTLAW den Fanport, das sozialpädagogische Fanprojekt in Münster. An beiden Standorten OUTLAW besonderen Wert auf sozialpädagogische Fachkompetenz, hohe Transparenz in der Arbeit sowie eine vertrauensvolle Kooperation mit wichtigen lokalen, regionalen und bundesweiten Akteuren. Die vielfältigen Angebote und Netzwerke des Trägers können zukünftig auch vom Fanprojekt Leipzig genutzt werden.

Mit Sarah Köhler hat eine fanprojekterfahrene Pädagogin die Leitung des Fanprojekts übernommen. Gemeinsam mit den Sozialpädagogen Benjamin Görges und Stefan Pfeiffer sowie der Geisteswissenschaftlerin Ulrike Fabich, die alle neben ihrer fachlichen Kompetenz auch Fußballbegeisterung einbringen, wird sie für die Fans von fünf Vereinen, BSG Chemie Leipzig, 1. FC Lokomotive Leipzig, RasenBallsport Leipzig, SG Leipzig Leutzsch sowie Roter Stern Leipzig – da sein. Das hochmotivierte Team wird dabei das ganze Spektrum der Fanarbeit je nach Bedarf und Nachfrage abdecken.

Im Team sind die Arbeitsbereiche so abgesteckt, dass jede_r Mitarbeiter_in einem Verein als direkte Bezugsperson zugeordnet ist, um so gezielt eine Vertrauensbasis für Beratung und Einzelfallhilfe aufzubauen. Bereits jetzt werden die Angebote zur Beratung, Hilfe bei Wohnungs- und Arbeitssuche und auch die unterstützende Begleitung zu Ämtern gut von den Fans verschiedener Vereine angenommen. Ein Ziel der Arbeit ist es, trotz der vielfältigen vereinsbezogenen und projektorientierten Arbeit als ein Projekt für ganz Leipzig wahrgenommen zu werden.

Im Februar 2012 konnte das Fanprojekt eigene Büroräume im südlichen Stadtzentrum beziehen. Das Objekt wurde ganz nach den Vorstellungen der Mitarbeiter_innen umgestaltet. Entstanden sind drei Büroräume mit insgesamt fünf Arbeitsplätzen und ein großer Konferenzraum, der ehemals ein Ladengeschäft war. Es ist genügend Platz vorhanden für Veranstaltungen und Treffen, weitere Computerplätze für Fans oder zukünftig zum Projekt stoßende Mitarbeiter_innen, für eine Fußballbibliothek, an deren Aufbau bereits gearbeitet wird, und für eine gemütliche Sitzecke. Die Räumlichkeiten des Fanprojektes sind offen für alle Fans. Bereits jetzt wird im zweiwöchentlichen Rhythmus eine für die Fans kostenlose juristische Erstberatung angeboten. Künftig sollen am Projektstandort Informationsveranstaltungen, Lesungen, Workshops, Filmvorführungen oder Multimediakurse (beispielsweise zur Erstellung einer Fanzeitschrift oder Fanwebsite) angeboten und Fanordner_innen geschult werden. Das Fanprojekt wird Fans bei Bedarf unterstützen, offene Fan-Treffs einzurichten, um Choreografien zu gestalten, Auswärtsaktivitäten zu planen oder einfach gemeinsam ihre Freizeit verbringen.

Das Fanprojekt Leipzig setzt innerhalb der Stadt und darüber hinaus auf umfangreiche Vernetzung. So wurde beispielsweise eine enge Kooperation mit dem Leipziger Jugendbeschäftigungswerk „Netz kleiner Werkstätten“ des Berufsbildungswerks Leipzig vereinbart. Ziel des Netzes ist das Auffangen von jungen Erwachsenen durch Unterstützung bei der beruflichen sowie sozialen Integration.

Natürlich bietet das Leipziger Fanprojekt auch Spielbegleitung und Beratung bei fußballspezifischen Problemsituationen wie bundesweiten Stadionverboten, Aufnahme in die Datei „Gewalttäter Sport“ oder bei im Rahmen von Fußballspielen entstandenen Konflikten mit der Polizei, Justiz und Behörden an. Die Mitarbeiter_innen planen für das 2012 verschiedene freizeit- und erlebnispädagogische Angebote. Als eine erste Aktion fand ein Fußball-Fanturnier in Kooperation mit der BSG Chemie Leipzig statt, an dem 16 Teams teilnahmen.

Neben der direkten Fanarbeit kann das Fanprojekt Leipzig besonderen Wert auf Bildungsarbeit legen und den Fans auch bildungs- und kulturpädagogische Angebote machen. Hierzu wurde eigens und von der Kommune stark befürwortet, eine Personalstelle im Projekt geschaffen. Ziel ist es, gemeinsam mit allen Mitarbeiter_innen des Fanprojekts, vorhandene Initiativen und Gruppen aller Vereine, die sich gegen Diskriminierung im Fußball zur Wehr setzen, zu unterstützen. Hier geht es weniger darum, ein geschlossenes Wertebild zu vermitteln, als Denkanstöße zu geben und Impulse aus der Fanszene aufzunehmen. Den Fans sollen Räume für Kreativität und konstruktive Auseinandersetzungen eröffnet werden. Gemeinsam werden verschiedene Veranstaltungen, Bildungsreisen und Peer-to-peer-Trainings durchgeführt. Auf diesem Weg soll auf aktuell vorhandene Problemlagen der Leipziger Fußballfanszene eingegangen und langfristig eine Fankultur gestärkt bzw. geschaffen werden, in der Rassismus, Antisemitismus und andere menschenfeindliche Einstellungen keinen Platz haben.

Auch für diese Aktivitäten setzt das Team des Fanprojekts auf eine enge Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren in den jeweiligen Sozialräumen und kommunalen Einrichtungen, wie dem Zentrum für Demokratische Bildung und dem Referat für Migration und Integration der Stadt Leipzig oder verschiedenen Bildungsinitiativen und -trägern.

Obwohl die Mitarbeiter_innen noch mit einigen Provisorien leben müssen, stößt das Fanprojekt nicht nur in der Stadt Leipzig, sondern auch überregional, auf reges Interesse. Auch deshalb ist es besonders wichtig, in allen relevanten Gremien (AG Fußball und Sicherheit des Kriminalpräventiven Rates der Stadt Leipzig, BAG der Fanprojekte, fachbezogene Arbeitskreise) beteiligt zu sein und dort die Interessen der jugendlichen Fans zu vertreten. Durch Kooperationen mit Schulen, Vereinen und Verbänden wird die Arbeit auf eine breite gesellschaftliche Basis gestellt.

Dieses wird ebenso durch die Gründung eines Beirats erreicht, der sich in diesem Jahr ebenfalls konstituiert und unter Vorsitz des Bürgermeisters und Beigeordneten für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule, Prof. Dr. Thomas Fabian, regelmäßig arbeiten wird. Der Projektbeirat wird eine wichtige, unterstützende Funktion bei der strategischen Ausrichtung und fachlichen Beratung des Fanprojekts ausfüllen. Aus diesem Grund wird auch der Geschäftsführer der Outlaw gGmbH, Theodor Boomgaarden, im Beirat mitarbeiten.

Fanprojekt Leipzig
Outlaw gGmbH

 

Ulrike Fabich, Susanne Herzfeld, Sebastian Kirschner, Jakob Grudzinski, Sarah Köhler (Leitung), Stefan Pfeiffer

Brandvorwerkstraße 37
04275 Leipzig

Tel. 0341 3032890-0 und -1
Fax 0341 30328916

E-Mail zentral: fanprojekt-leipzig@outlaw-jugendhilfe.de
Homepage www.fanprojekt-leipzig.de

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