Home  Newsarchiv  2012  (03.09.2012) Prävention wird großgeschrieben: Sachbericht 2012 zur Arbeit der Fanprojekte 

3. Sep 2012

Prävention wird großgeschrieben: Sachbericht 2012 zur Arbeit der Fanprojekte

Sachbericht Titelseite

Was machen Fanprojekte eigentlich genau, wie sieht die Arbeit an den unterschiedlichen Standorten aus, wer finanziert die Einrichtungen und wie viele gibt es? – Diese und andere Fragen beantwortet der „Sachbericht zum Stand der sozialen Arbeit mit Fußballfans in Deutschland 2012“, den die Koordinationsstelle Fanprojekte vergangene Woche in Anwesenheit von Fachleuten aus Fußball, Forschung und Fanarbeit vorstellte.

Die diesjährige Ausgabe ist die mittlerweile achte Auflage des Sachberichts, in dem sich die lokalen Fanprojekte in kurzer prägnanter Form mit ihren jeweiligen lokalen inhaltlichen Schwerpunkten vorstellen. Die Präsentationen der aktuell 53 Einrichtungen in 47 Städten – an Standorten wie München oder Leipzig werden Fans mehrerer Vereine betreut – vermitteln einen lebendigen Eindruck von der vielfältigen Tätigkeit der pädagogischen Fanarbeit. „Auch wenn die Strukturen ähnlich sind, setzen die Projekte jeweils unterschiedliche Schwerpunkte“, sagt KOS-Leiter Michael Gabriel. „Wir haben Standorte, die sich stark in der pädagogischen Einzelfallhilfe engagieren und hier Unterstützung zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung für die jungen Fans leisten. Es gibt zahlreiche Fanprojekte, die eigene Bildungsprojekte aufgebaut haben, oft in Kooperationen mit anderen Partnern. Die Arbeit gegen Diskriminierung zusammen mit den Fans ist ein weiterer Schwerpunkt vieler Einrichtungen.“

Gemeinsam ist den Fanprojekten dabei, dass sie unabhängige pädagogische Arbeit leisten, wie Thomas Beckmann, Leiter des Fanprojekts Mainz und einer der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, betont: „Die Fanprojekte sind traditionell in der Jugendarbeit verankert. Durch das Medium Fußball haben wir auch Zugang zu einer sogenannten problematischen Klientel, also jungen Menschen, die durch andere Einrichtungen oft nicht mehr erreichbar sind.“ Die pädagogisch arbeitenden Fanprojekte bilden neben den Fanbeauftragten der Vereine die zweite Säule im einzigartigen System der deutschen Fanbetreuung. Thomas Schneider, Fanbeauftragter der Deutschen Fußball Liga, unterstreicht die Wichtigkeit dieses Systems: „Die Fußballverbände nehmen ihre Verantwortung für die Fans und gesellschaftlich relevante Themen wie den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung ernst. Das drückt sich in der Unterstützung der Fanprojekte aus.“

In der aktuell hitzigen Debatte um das Gewaltpotenzial im Fußball und die Auswirkungen der Kommerzialisierung setzen die Fanprojekte weiter auf nachhaltige präventive Arbeit im Sinne der Erhaltung und Förderung einer kreativen, lebendigen und gewaltfreien Fankultur und das unter nicht immer einfachen finanziellen Bedingungen. „Nur wenige Standorten arbeiten mit der modellhaft vorgesehenen personellen Ausstattung“, sagt Michael Gabriel. „Derzeit stehen Forderungen nach repressiven Maßnahmen, nach mehr Überwachung, Sicherheitspersonal und härteren Stadionverboten im Raum. Demgegenüber ist der präventive Ansatz der Fanarbeit, auch was die Finanzierung angeht, leider immer noch unterrepräsentiert.“

Bei der Pressekonferenz anwesend waren:
Thomas Schneider – Koordinator Fanangelegenheiten der DFL
Thomas Beckmann – Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG)
Michael Gabriel – Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj

  • Den Sachbericht finden Sie zum Herunterladen in der Rubrik Veröffentlichungen.
  • Das Vorwort „Fanprojekte: Prävention statt Populismus“ können Sie hier lesen.
  • Die aktuellen Berichte der lokalen Fanprojekte finden Sie online in unserer Rubrik Fanprojekte.

Presseberichte zur Präsentation des Sachberichts 2012
(Auswahl)

Frankfurter Rundschau (Frank Hellmann): Fans pflegen wie Sponsoren
www.fr-online.de/sport/fanprojekte-bundesliga...

Welt/dpa: Fanprojekte-Leiter fordert Clubs zu Dialog auf
www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/sport_nt/fussball...

Frankfurter Neue Presse (Kommentar von Klaus Veit): Aufgeregte Debatte
www.fnp.de/fnp/nachrichten/kommentare/...


Hinweis
Die Kollegen von der Bild haben eine Äußerung von KOS-Leiter Michael Gabriel in ihrer Berichterstattung unter dem Stichwort „Das läuft im Fußball schief“ verzerrt wiedergegeben. Michael Gabriel wird mit den Worten zitiert: „Vereine dürfen sich nicht scheuen, Grenzen zu ziehen und Sanktionen auszusprechen. Je mehr ein Verein auch mal in ruhigen Zeiten Strafen ausspricht, desto höher ist die Akzeptanz durch die Fans in schwierigeren Phasen.“ Ausführlicher und weniger sinnentstellend findet sich die Aussage etwa in der Berichterstattung von Focus wieder:
„Vereine dürfen sich nicht scheuen, Grenzen zu ziehen und Sanktionen auszusprechen. Je mehr ein Verein sich auch in ruhigen Zeiten mit seiner Fanszene auseinandersetzt oder auch mal Strafen ausspricht, desto höher ist die Akzeptanz durch die Fans in schwierigeren Phasen“, sagte Gabriel am Montag in Frankfurt/Main.
www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/...

 

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