Home  Newsarchiv  2012  (06.02.2012) KOS im Bundestag: Sportausschuss tagt zu Fußball und Gewalt 

6. Feb 2012

KOS im Bundestag: Sportausschuss tagt zu Fußball und Gewalt

Der Bundestag

Der Sportausschuss des Deutschen Bundestages befasst sich in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch mit dem Thema „Gewalt in und um Fußballstadien“. Zu der Expertenanhörung ist auch die KOS geladen, die in ihrer Stellungnahme zu einer differenzierten Sicht auf die Ultrakultur und einer stärkeren Förderung der Fanprojekte aufruft.

Die Liste der eingeladenen Sachverständigen umfasst neben Holger Hieronymus (DFL) und Hendrik Große Lefert (DFB) auch Vertreter von Bundesligavereinen – Andreas Ritter von Dynamo Dresden sowie Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt. Als Verteter der Polizei werden Jürgen Schubert (Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder) sowie Bernhard Witthaut (Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei) anwesend sein. Als Fanverteter ist Ben Praße, Sprecher der Fanorganisation „Unsere Kurve“, geladen. Für die KOS wird Michael Gabriel in Berlin sprechen.

Positive Seiten der Ultrakultur

Die KOS und die Fanprojekte machen sich dafür stark, die Bedeutung insbesondere der Ultrakultur mit ihren ausgeprägten solidarischen Gruppenstrukturen und ihren vielfältigen Aktivitäten auch jenseits des Stadion stärker zu würdigen. „Insbesondere das zivilgesellschaftliche und sehr couragierte Engagement vieler Ultragruppen sollte positiv hervorgehoben werden“, heißt es dazu in der Stellungnahme für den Sportausschuss. Die Einbeziehung dieser Sichtweise verstellt dabei keineswegs den Blick auf problematische Aspekte der Fanszene: „Innerhalb vieler Ultraszenen wird Gewalt gegenüber anderen Ultragruppen nicht generell abgelehnt, auch Gewalt gegenüber der Polizei findet verbreitet Zustimmung. Grundsätzlich ist jedoch festzustellen, dass es ausgeprägte Selbstregulierungsmechanismen in den Fanszenen gibt und eine zunehmende Bereitschaft vieler Gruppen, sich selbstkritisch mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen.“

Länder und Kommunen in der Verantwortung

Hier ist es aus pädagogischer Sicht unbedingt notwendig, die bestehenden Möglichkeiten zum Dialog zu nutzen: „Es müssen verstärkt Anstrengungen von Politik und Fußball unternommen werden, mit den Jugendlichen in einen dauerhaften Dialog zu treten und darüber hinaus bestehende Konzepte gestärkt werden, die eine ernstgemeinte Partizipation der jungen Menschen ermöglichen.“ Die Fanprojekte, die diesen Prozess maßgeblich mittragen, bedürfen dabei endlich einer angemessenen finanziellen Ausstattung. Die KOS sieht insbesondere Länder und Kommunen in der Pflicht, ihrer Verantwortung im Rahmen der Drittelfinanzierung nachzukommen. Dem Bekenntnis zu einem auf Prävention ausgerichteten Umgang mit dem Thema Gewalt im Fußball müssen Taten folgen: „Wenn Dialog und Kommunikation das Mittel der Wahl zur langfristigen Bearbeitung der Problemlagen rund um den Zuschauersport Fußball darstellen, dann müssen die hierfür kompetenten und prädestinierten Institutionen auch besser in die Lage versetzt werden, diese Anforderungen umzusetzen.“

Die gesamte Stellungnahme der KOS zum Thema der Anhörung steht hier als Download zur Verfügung.

Einige weitere Stellungnahmen können auf der Website des Bundestages ebenfalls heruntergeladen werden.

Die Anhörung des Sportausschusses findet am 8. Februar um 15 Uhr im Anhörungssaal 3.101 des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Berlin. Die Sitzung ist öffentlich, interessierte Besucher können sich unter der E-Mail-Adresse sportausschuss@bundestag.de unter Angabe des Vor- und Zunamens sowie des Geburtsdatums anmelden. Zur Sitzung muss ein Personaldokument mitgebracht werden. Wer es nicht nach Berlin schafft: Es gibt eine Live-Übertragung im Web-TV auf www.bundestag.de.

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