Home  Newsarchiv  2010  (17.12.2010) Euro 2012: Fanbotschaftstraining in Frankfurt  

16. Dez 2010

Euro 2012: Fanbotschaftstraining in Frankfurt

Die Qualifikation zur Euro 2012 ist noch in vollem Gange und bisher ist völlig unklar, welche Teams dabei sein werden. Dennoch rückt das Turnier in Polen und der Ukraine nicht nur für die deutschen, sondern auch für die internationalen Fanbetreuungsnetzwerke unaufhaltsam näher. Zur Vorbereitung der mobilen Fanbotschaften fand vom 2. bis 4. Dezember ein Training in Frankfurt am Main statt.

Anders als bei der FIFA ist bei der UEFA die positive Auswirkung gastfreundlicher Aufenthaltsbedingungen für Fans auf Atmosphäre und Sicherheit der Veranstaltung schon länger angekommen. Erstmals finanzierte der europäische Fußballverband bei der EURO 2004 in Portugal eine internationale Fanbetreuungsmaßnahme. Nur so war es schließlich möglich, dass insgesamt sieben mobile Fanbotschaften aus der Schweiz, Tschechien, den Niederlanden, Frankreich, Italien, England und Deutschland vor Ort als Unterstützungs- und Informationssysteme für die jeweiligen Fanszenen agieren konnten. 2008 in Österreich und der Schweiz war es aufgrund der positiven Ergebnisse keine Frage, dass dieses Programm eine Wiederauflage erlebte, und so wird es auch 2012 bei der EURO in Polen und der Ukraine sein.

Aufbau von Fanarbeit und Fanorganisation

Mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung geht es zudem darum, in den beiden Gastgeberländern Vernetzungen und Organisationsstrukturen in den Fanszenen zu ermöglichen und die Basis für den Aufbau von Fanarbeit zu legen. Dafür wurde das Programm „Fans Embassies go East“ ins Leben gerufen, das im Vorfeld des Turniers für drei Jahre von der UEFA finanziert und von Football Supporters Europe FSE umgesetzt wird. Um die Umsetzung der internationalen mobilen Fanbotschaften während des Turniers vorzubereiten, laufen verschiedene Workshops, Meetings und Trainings. Thomas Gassler, verantwortlicher Projektmanager bei FSE, zum bisherigen Stand der Dinge: „Bislang verläuft alles nach Plan. Uns ist es in relativ kurzer Zeit gelungen, in fast allen Host Cities lokale Fans und Verantwortliche der EURO 2012 für die Idee der Fanbotschaften zu gewinnen. Wir sind zuversichtlich, damit die Grundlage für einen weiteren positiven Verlauf des Fanbotschaftsprojekts gelegt zu haben.“

Das Seminar in Frankfurt wurde gemeinsam mit der KOS organisiert, neben den Kollegen aus England verfügen die deutsche Fanprojektstrukturen über die längste und weitreichendste Erfahrung in der Fanbetreuung bei großen Turnieren. KOS-Leiter Michael Gabriel fungiert zudem als Direktor der „Fan Embassy“-Abteilung bei FSE, der mittlerweile 16 Länder angeschlossen sind. Zu dem dreitägigen Training in Frankfurt waren neben mehreren Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den beiden Gastgeberländern der EM 2012 zudem Deutschland, England, Österreich, Spanien und Tschechien vertreten. Neu dabei: Schweden und Lettland. Die Skandinavier, die ihr Team traditionell in großer Zahl begleiten, haben beim Länderspiel gegen die Niederlande in Amsterdam erste Erfahrungen mit der Organisation einer Fanbotschaft gesammelt, verantwortlich war hierfür die Initiative „Camp Sweden“.

Internationaler Austausch mit Äppelwoi und Handkäs

Die Hauptinputs der Tagung kamen von Ken Malley and Anne-Marie Mockridge aus England sowie Michael Gabriel aus Deutschland, den beiden Ländern mit der größten Erfahrung in der internationalen Fanbetreuung und zudem die einzigen mit einer eigenständigen  nationalen finanzielle Unterstützung erfahren. Von den Erfahrungen der Europameisterschaft in Österreich berichteten Heidi Thaler, Koordinatorin des EM-Fanbotschaftsprogramms, und David Hudelist, Leiter der Fanbotschaft Klagenfurt. Ergänzt wurden die Inputs durch zwei Workshops. Für Michael Gabriel sind die internationalen Kontakte und der immer weiter zunehmende Austausch große Pluspunkte der europäischen Fanbetreuung: „Absolut positiv ist – und das hat sich auch in Frankfurt wieder gezeigt – die tolle internationale Zusammenarbeit. Alle können voneinander lernen und geben ihre Erfahrungen bereitwillig weiter.“ Ganz ähnlich die Einschätzung von Thomas Gassler: „Sehr gefreut hat uns das große Interesse an dem Trainingsseminar in Frankfurt. Nicht nur Fans aus ganz Europa, sondern auch Offizielle der diversen Host Cities in Polen und der Ukraine wollten daran teilnehmen. Vor allem die interaktiven Teile des Workshops zum Training von Situationen aus der Praxis sind sehr gut aufgenommen worden und werden in den nächsten Seminaren sicher eine Fortsetzung finden.“

Wie bereits auf der FSE-Tagung in Gdansk im Oktober wurde auch in Frankfurt deutlich, dass der Stand der Vorbereitungen in den beiden Ausrichternationen auch in Sachen Fanbetreuung unterschiedlich ist. In Polen ist mit Dariusz Lapinski einen hauptamtlichen Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betreut. Sein Fazit aus der Veranstaltung: „Es liegt mir daran, dass stationäre Fanbotschaften in Polen von lokalen Fans getragen werden. In Frankfurt hatten sie die Gelegenheit, Fans aus anderen Ländern zu treffen und sich auszutauschen. Das sind beste Voraussetzungen, um die Idee der Fanbotschaften weiter zu vermitteln.“

Verglichen mit den sehr guten Arbeitsstrukturen in Polen, muss die Ukraine noch aufholen. Positiv war daher die Anwesenheit des Vorsitzenden der National Agency Euro 2012, der für das Thema Fanbotschaften zuständig ist. Ebenso positiv zu vermerken ist ein weitere Aspekt wie Michael Gabriel anmerkt: „Mich freut sehr, dass es hauptsächlich Vertreter aus den jeweiligen Fanszenen in den Ausrichterstädten sind, die sich jetzt schon – in der Regel ohne Bezahlung – für Fanbotschaften und Faninteressen einsetzen. Die zu qualifizieren und zu so einem Training einzuladen, ist die große Chance des FSE-Projekts.“

Abgerundet wurde das Training durch einen Einblick in die Fanarbeitsstrukturen in Frankfurt: Dazu gehörte ein Besuch mit Grillabend im Fanhaus des Fanprojekts – dafür ein herzliches Dankeschön an Projektleiter Stephan von Ploetz und sein Team. Marc Francis gewährte vor dem Spiel gegen Mainz zudem Einblick in die Arbeit des Fanbeauftragten eines Bundesligavereins. Der Besuch des spannenden Derby rundete die insgesamt sehr gelungenen Tage ab. Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich der gesellschaftliche Höhepunkt: der gemeinsame Abend in einer typischen Frankfurter Äppelwoi-Kneipe bei Gespritztem und Handkäs mit Musik.

Das Programm der FSE Tagung als PDF-Datei

© 2009 Koordinationsstelle Fanprojekte | Impressum