Home  Newsarchiv  2013  (07.02.2013) Mainzer Herzensangelegenheit 

7. Feb 2013

Mainzer Herzensangelegenheit

Im Stadion mit Herz
Foto: www.rheinhessen-on-tour.de

In Mainz fehlt Geld. Durch den plötzlichen Wegfall von öffentlichen Mitteln müsste das Fanprojekt einen Mitarbeiter entlassen. Das geht nicht, finden die Mainzer Fans. Sie schlossen sich zu einem Förderverein zusammen und starteten einen Aktionstag, um Geld zu sammeln.

Gut, sportlich hätte das besser laufen können beim Spiel in Mainz gegen die Bayern. Auf den Rängen jedoch gibt es keine Verlierer. Die Aktion „Herzensangelegenheit“, initiiert vom neu gegründeten Verein „Freunde und Förderer des Fanprojekts Mainz“ ist ein großer Erfolg. Eine Choreo aus rot-weißen Herzen und die Botschaft „Zusammenhalt für Mainz“ prägt den Spieltag. Es geht dabei jedoch nicht nur um innere Werte und die Wertschätzung der sozialen Arbeit mit Fußballfans, sondern um ganz Handfestes.

Fehlende öffentliche Mittel

Hintergrund des Aktionstages und des Vereins ist eine Finanzierungslücke des Fanprojektes: Seit 1994 existiert die Einrichtung in Mainz, aktuell wird dort mit vier festen MitarbeiterInnen auf dreieinhalb Stellen gearbeitet. Die Finanzierung ist, wie in allen Fanprojekten, nicht einfach, sondern komplex: Geld kommt in Mainz von der Stadt und vom Bundesland, aber auch durch ein zusätzliches Kooperationsprojekt mit der lokalen Agentur für Arbeit. Die Anteile der öffentlichen Hand werden von den Fußballverbänden im Rahmen der Drittelfinanzierung ergänzt: Für zwei Euro aus Steuergeld gibt es einen Euro Verbandsgeld.

Durch eine Änderungen der Kooperationsregeln fallen jedoch die Mittel der Agentur für Arbeit seit November weg, ebenso die entsprechende aufstockende Finanzierung durch den DFB, insgesamt sind das 45.000 Euro pro Jahr. Die einzig logische Konsequenz aus dieser Entwicklung wäre die Entlassung eines Mitarbeiters im Frühjahr, wie Fanprojektleiter Thomas Beckmann bereits angekündigt hat. „Wir haben kurz vor Weihnachten davon erfahren und uns mit einigen Leuten aus der aktiven Fanszene beraten, was wir tun können, um zu helfen“, sagt Max Kling, einer der Initiatoren des Fördervereins. Neben bloßen Ideen zum Spendensammeln stand jedoch auch schnell der Gedanke eines langfristigeren Projekts im Raum. „Mit der Gründung eines Vereins zur Unterstützung des Fanprojekts haben wir gleich einen Rahmen für weitere Aktionen. Außerdem ist es ein gutes Dach, um möglichst viele Fans zu versammeln.“

Herz mit Claim
Foto: www.rheinhessen-on-tour.de

Zusammenhalt der Mainzer Fans

Mit der Ultraszene Mainz, der Handkäsmafia und den Meenzer Metzgern waren die ersten Unterstützer schnell beisammen, aber den Freunden und Förderern des Fanprojekts ging es darum, für ihre Aktionen ein breites Bündnis zu schmieden. „Die Supporters, der Ärztefanclub, die Meenzelmänner und auch der Verein selbst mit seinem Fanbeauftragten waren dann auch bald mit im Boot“, erzählt Max Kling. Zufall ist es, dass die Planungen der Aktion mit einigem Knatsch in der Mainzer Fanszene zusammenfallen – den Nachwehen der Aktion 12:12 und der Verabschiedung des DFL-Sicherheitspapiers. Wie an manch anderen Orten hat auch in Mainz die Frage nach dem weiteren Verhalten der Fans – Stimmungsboykott fortsetzen, verschärfen oder beenden – für Unstimmigkeiten gesorgt. Auch wenn es nicht geplant war. Die gemeinsame Aktion kurz nach Start der Rückrunde kommt da als Signal gerade recht: „Zur Unterstützung des Fanprojekts war es kein Problem Leute aus ganz verschiedenen Kreisen der Anhängerschaft zu mobilisieren“, sagt Max Kling. „Das Fanprojekt ist für viele wirklich eine Herzensangelegenheit.“

Der Heimspieltag gegen die Bayern beginnt mit einem großen Fanfrühstück im alten Stadion am Bruchweg – Kaffee, Brötchen, Marmelade, Aufschnitt und so weiter spenden die beteiligten Gruppen. Der Erlös aus dem „Eintritt“ von 5 Euro geht in die Kasse. Bei 300 Besuchern kommt da schon am Vormittag einiges zusammen. Hinter einem großen „Zusammenhalt“-Banner geht es dann gemeinsam zum neuen Stadion. Dort sorgt die vorbereitete Herzenschoreo für Präsenz der Aktion auf der Tribüne. Derweil wird durch die Pfandbecheraktion im ganzen Stadion gesammelt: An den „Fanpfandstationen“ nehmen Mitglieder verschiedenster Fanklubs und Gruppen Becher entgegen, das Pfandgeld kommt dem Fanprojekt zugute. Dabei kommen 7.200 Becher und Euro zusammen, das ist ein Drittel aller an diesem Tag verkauften Pfandgetränke.

Fans mit Herz
Foto: www.rheinhessen-on-tour.de

Finanzierung nicht Job der Fans

Insgesamt kommen an diesem Tag fast 10.000 Euro zusammen, weitere Aktionen – vor allem eine stärkere Mitgliederwerbung für den Förderverein – sollen folgen, um die aktuelle Lücke im Fanprojektetat zu schließen. Auch den Fans ist jedoch klar, dass ihre Aktivitäten keineswegs als Dauerlösung für die Finanzsorgen dienen können. „Die Arbeit, die das Fanprojekt für die gesamte Jugendarbeit in Mainz leistet, wird oft gar nicht genug geschätzt“, sagt Max Kling. „Die Finanzierung der unabhängigen Fanarbeit muss auf Dauer gesichert werden.“

Ähnlich sieht es Volker Goll von der KOS: „Das sind großartige Aktionen der Mainzer Fans, die auch zeigen, wie eng die Verbindung des Fanprojekts in die Fanszene ist und wie gut die Arbeit angenommen wird.“ Die Wertschätzung für ihr Fanprojekt allerdings sollten Fans nicht dadurch ausdrücken müssen, dass sie die soziale Arbeit selbst mitfinanzieren. „Es gibt bei der Ausstattung der meisten Fanprojekte Missstände, da kann es nicht der Job der Fans sein, für den Erhalt einer dringend benötigten Mitarbeiterstelle zu sorgen. Angesichts der Problemlagen beim Fußball, die in der Regel gesellschaftliche Ursachen haben, sind nicht nur Vereine und Verbände in der Verantwortung, sondern insbesondere die Politik. Diese darf nicht so tun, als seien das exklusive Probleme des Fußballs.“

Mehr Infos zum „Verein der Freunde und Förderer des Fanprojekt Mainz“ finden sich auf der Website. Dort gibt es auch die Möglichkeit, Mitglied zu werden oder zu spenden. fanprojekt-freunde-mainz.de

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