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9. Nov 2010

Fanbotschaften gehören zum Turnierstandard. Internationale FSE-Konferenz zur EURO 2012

Die sportliche Qualifikation läuft zwar noch, an den organisatorischen Vorbereitungen zur EM 2012 wird aber längst fleißig gewerkelt, und zwar auch aufseiten der Fanarbeit. Am 28. und 29. Oktober fand in Danzig die internationale Konferenz „Fanbotschaften – Fanbetreuung bei der UEFA EURO 2012“ statt, die vom Netzwerk Football Supporters Europe (FSE) organisiert wurde.

Mehr als 100 Vertreter/innen der UEFA, des Europarats, der Organisationskomitees PL.2012 und LOC Ukraine, aus den Fußballverbänden und Ligen Polens und der Ukraine, den polnischen und ukrainischen Ministerien für Sport, Tourismus und Inneres oder Lokalpolitiker/innen, aber auch polnische und ukrainische Fans aus den Host Cities diskutierten gemeinsam über das Thema Fanbetreuung bei internationalen Turnieren. Auch die Erfahrungen aus der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 sowie der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz flossen durch die Berichte der anwesenden Expert/innen aus der Fanarbeit in die Debatten ein. In vier Workshops und einer Podiumsdiskussion wurden Informationen über die neuesten Entwicklungen in der Turniervorbereitung ausgetauscht, wobei vor allem vier Handlungsfelder im Mittelpunkt standen: Fanbotschaften, Fans, Gastfreundschaft bei Fußballgroßereignissen und das Thema Sicherheit.

Michael Gabriel von der KOS, die über langjährige Erfahrung bei der Durchführung von Fanbotschaften bei großen Turnieren verfügt, nahm als Direktor der FSE-Fanbotschaftsabteilung an der Konferenz teil. Sein Fazit: “Noch nie zuvor war die Einbindung der Fanbotschaften auf allen Ebenen so früh glaubhaft zugesagt wie in Polen und der Ukraine, was absolut bemerkenswert ist. Das lässt für die Euro 2012 gute Aufenthaltsbedingungen für Fans erwarten. Insbesondere der Stand der Vorbereitungen in Polen ist absolut bemerkenswert, aber auch die Ukraine scheint auf einem guten Weg zu sein.“

Die Konferenz wurde im Rahmen des FSE-Projekts „Fans‘ Embassies Go East“ organisiert. Das 3-jährige Projekt wird organisiert vom Fachbereich Fanbotschaften von FSE und hat als Schwerpunkt den Ausbau und die Stärkung von Fanbotschaftsinitiativen in Europa, der Fokus liegt in Vorbereitung auf die Euro 2012 auf Osteuropa. Im Vorfeld der Konferenz stellte Kevin Miles von der englischen Football Supporters Federation fest: „Die Art, wie Fans willkommen geheißen werden, ist für den Erfolg eines internationalen Fußballturniers ausschlaggebend. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass die Bereitstellung von Serviceeinrichtungen wie Fanbotschaften in allen Host Cities hier einen zentralen Beitrag leisten kann. Wir freuen uns über die Gelegenheit, mit den EURO 2012 Host Cities in Dialog darüber zu treten, wie wir gemeinsam beste Serviceleistungen liefern können.“

Fanbotschaften: Service und Hilfe für Fans
Unter Fanbotschaften versteht man Service- und Informationseinrichtungen, für jene Fußballfans, die zu internationalen Turniere anreisen. Fanbotschaften haben sich dort als konstruktive und positive Maßnahme für den Erfolg der gesamten Veranstaltung erwiesen. Fanbotschaftsmitarbeiter/innen und Mitglieder von FSE können auf 20 Jahre Erfahrung in diesem Zusammenhang zurückblicken. Die Bereitstellung von Serviceeinrichtungen wie Fanbotschaften ist inzwischen UEFA-Standard. Der Deutsche Fußball- Bund unterstützt die durch die KOS organisierten Fanbotschaften für die reisen Fans der Nationalmannschaft seit der EURO 1992 in Schweden, zuletzt bei der WM 2010 in Südafrika. Die Europäische Konvention über Gewalttätigkeiten und Fehlverhalten von Zuschauern verweist seit einigen Jahren auf die Effizienz von Fanbotschaften und Fanprojekten und -initiativen zur erfolgreichen Präventionsarbeit bei internationalen Fußballturnieren, im Besonderen in ihrer vor kurzem adaptierten Empfehlung. FSE und seine Partner/innen wollen den sozial-präventiven Ansätzen und den Tätigkeiten der stationären und mobilen Fanbotschaften in Zukunft noch weitere Bekanntheit verschaffen.

Zum Thema Sicherheit lieferten Helmut Spahn, Leiter der DFB-Abteilung Prävention und Sicherheit, sowie Chris Broome von der Football Policing Unit aus England wertvolle Anregungen für eine zurückhaltende und auf Kommunikation setzende polizeiliche Strategie während des Turniers. „Die Erfahrungen der vergangenen Turniere zeigen eindrucksvoll,“ so Michael Gabriel, „dass zwei sprechende Polizeibeamte in Ausgehuniform oftmals mehr zur Sicherheit beitragen, als hochgerüstete Einsatzeinheiten.“

Für Daniela Wurbs, Koordinatorin des FSE-Netzwerks, war die Veranstaltung ein großer Erfolg: „Die Konferenz und gerade auch die Workshops waren sehr gut besucht, und es wurde wirklich angeregt diskutiert. Für FSE ist sehr erfreulich, dass mittlerweile bei vielen Verantwortlichen vor Ort und in den Verbänden die Wichtigkeit von Fanbotschaften angekommen ist. Der Gedanke, dass Fans als Gäste und nicht als Sicherheitsrisiko betrachtet werden müssen – und dies dann auch mit entsprechendem Verhalten zurückzahlen – wird zunehmend betont.“ Besonders nachhaltig werde derzeit bereits in Polen an diesem Thema gearbeitet. Hier kümmert sich mit Dariusz Lapinski ein hauptamtlicher Mitarbeiter der im Auftrag des staatlichen polnischen Organisationskomitees um die Einrichtung von Fanprojekten, die in die Organisation der Fanbetreuung beim Turnier eingebunden sein, aber auch über die Euro 2012 hinaus arbeiten sollen. Im Rahmen dieser Arbeit findet auch ein erfolgreicher Austausch mit den deutschen Fanprojekten statt. In der Ukraine – auch das wurde auf der Konferenz deutlich – hat man sich bisher vor allem auf infrastrukturelle Vorbereitungen konzentriert, im Bereich der Fanbotschaften ist hier noch ein wenig aufzuholen. Allerdings, so Daniela Wurbs, gehört etwa in Städten wie Lviv die Planung eines Fanfests mit Public Viewing für angereiste Fans ohne Tickets mittlerweile ebenfalls selbstverständlich dazu. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die Konzepte der Fanbotschaften dann am besten aufgehen, wenn nicht nur die Verantwortlichen der Turnierorganisation und der Host City sie unterstützen, sondern auch die lokale Fanszene vor Ort eingebunden ist. Zumindest in Danzig scheint dies bereits gut zu gelingen. Daniela Wurbs: „Ein großes Dankeschön von FSE geht an die Fans vom Fanklub Lwy Polnocy von Lechia Gdansk, die uns bei der Organisation toll unterstützt haben.“

Die Konferenz wurde vom FSE-Fanbotschaftsbereich gemeinsam mit dem polnischen Organisationskomitee PL.2012 und der Stadt Danzig im Rahmen des Fans‘ Embassy Go East Projekts in Vorbereitung zur UEFA EURO 2012TM organisiert. Außerdem wurde sie von der Ständigen Kommission der europäischen Konvention über Gewalttätigkeiten und Fehlverhalten von Zuschauern des Europarats unterstützt.

Football Supporters Europe (FSE)

FSE (www.footballsupporterseurope.org) ist ein unabhängiges, repräsentatives und demokratisch organisiertes Basisnetzwerk für Fußballfans mit Mitgliedern in 35 europäischen Ländern. Gegenwärtig repräsentiert FSE ca. 2 Millionen Fußballfans aus ganz Europa. FSE wird von der UEFA als offizieller Gesprächspartner in Fanbelangen unterstützt und hält einen Beobachtungssitz im Ständigen Komitee der Konvention über Gewalttätigkeiten und Fehlverhalten von Zuschauern.

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