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Blick zurück: Ultrakonferenz 2002

Plakat Ultrakonferenz

Veranstaltet im Januar 2002 in Frankfurt von der KOS

Wenn man es genau nimmt, ist der diesjährige Fankongress die mindestens fünfte bundesweite Zusammenkunft ihrer Art, allerdings jeweils mit verschiedenen Organisatoren (dsj - 1988, BAFF - 1994, KOS - 2002, DFB – 2007 und nun Pro Fans - 2012). Im Jahr 1988 fand ein erster Fankongress unter dem Motto „Fußball ist unser Leben“, ausgerichtet von der Deutschen Sportjugend, in Bremen statt. Rückblickend kann man gewiss sagen, dass dies der erste organisierte Versuch war, eine übergeordnete Kommunikation zwischen Fußballfans und dem DFB herzustellen. Dieser Kongress trug dazu bei, dass die Notwendigkeit der Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte als professionelle Vermittlungsinstanz zwischen diesen beiden Welten stärker wahrgenommen wurde, was schließlich 1992 in deren Institutionalisierung im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) mündete.

Bekanntlich begannen sich Ende der 1990er-Jahre die Ultras in den deutschen Fanszenen zu etablieren. Diese lebhafte wie kritische und von sehr jungen Fans getragene neue Bewegung wurde, weil deren grundsätzlich positive Intentionen nicht richtig eingeordnet wurden, sowohl von der Polizei und dem DFB als auch von den Vereinen argwöhnisch betrachtet. Dies führte zwangsläufig und sehr schnell zu Konflikten, die Vorwürfe aus den Reihen der Ultras über mangelnde Unterstützung durch die Vereine bzw. über viele Polizeieinsätze nahmen kontinuierlich zu. Weil die KOS und die Fanprojekte schon damals eine Verhärtung dieser Konfliktlinien befürchteten, organsierte die KOS im Januar 2002 eine bundesweite „Ultra-Konferenz“ in Frankfurt a. M., an der über 150 Ultras aus 45 Szenen teilnahmen.

In drei offenen Vorbereitungstreffen, an denen jeweils ca. 20 Ultras aus unterschiedlichen Gruppen und einige Mitarbeiter/innen aus den Fanprojekten teilnahmen, wurde die Struktur und die Themen der Konferenz bestimmt. Man entschied sich für eine damals sehr moderne Form der Konferenzorganisation, das sogenannte Open-space-Verfahren, das den Teilnehmer/innen ermöglichen sollte, je nach Gusto an möglichst vielen Themenkreisen zu teilnehmen.

Ziel der Veranstaltung war es, eine möglichst einheitliche Position zu Themenkomplexen wie z.B. Kommerzialisierung, Anstoßzeiten und Tradition zu erarbeiten, um dann in einen Dialog mit den Vereinen bzw. dem Verband treten zu können. Das Verhältnis zwischen Ultras und Polizei war zwar damals auch schon angespannt, aber dennoch standen bei dieser Konferenz Fragen des Verhältnisses zwischen den Fans und „dem Fußball“, also den Verbänden, klar im Mittelpunkt. Diese Fragen, so der ursprüngliche Plan, sollten in einer dann nachfolgenden Konferenz zwischen Ultras und Vereinen bzw. DFB diskutiert werden.
Das konnte leider nicht erreicht werden. Die Teilnehmer/innen des Kongresses stellten während der lebhaften und interessanten Diskussionen im Laufe des Tages fest, dass die Bewegung noch zu jung sei und teilweise selbst noch auf der Suche nach der „richtigen“ Ultra-Philosophie, als dass eine mehr oder weniger gemeinsame Haltung den Vereinen oder gar den Verbänden gegenüber hätte entwickelt und vertreten werden können.

Ein konkretes Ergebnis wurde aber dennoch erreicht. In der abschließenden Diskussion unter allen 150 Teilnehmer/innen wurde schließlich beschlossen, eine bundesweite Fandemonstration vor dem Pokalendspiel im Mai 2002 in Berlin durchzuführen. An dieser ersten bundesweiten Fandemonstration nahmen dann 2500 Ultras und Fans aus ganz Deutschland teil und trugen in einer friedlichen und kreativen Demonstration ihre Forderungen, die sich von denen der letztjährigen Demonstration im Grunde nicht unterschieden, in die Öffentlichkeit.

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