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12. Apr 2011

Austausch interkulturell: Aktivitäten in Bremen

Bremer Fans in Israel
Bremer Fans in Israel

Integration und Fußball wird gerne in einem Atemzug genannt, die konkrete Nutzung der Potenziale des Sports für die Einbindung von migrantischen Communities in die Mehrheitsgesellschaft funktioniert jedoch keineswegs automatisch. Das Bremer Fanprojekt nimmt sich in seinem Lernzentrum dieser Thematik an und fördert zudem mit seinem langjährigen Fanaustausch in Israel weitere interkulturelle Aktivitäten.

Sport hat Integrationskraft und ist Integrationsmotor zugleich. Über den gemeinsamen sportlichen Hintergrund entstehen Freundschaften und Kontakte, Menschen werden Teil eines sozialen Netzwerkes, das auch in persönlich schwierigen Zeiten auffangen und tragen kann. Das könnte auch der erste Schritt sein, um Menschen mit einer Migrationsbiografie den Zugang zum gesellschaftlichen Leben in Deutschland zu ermöglichen. Wie das gehen kann, erkundet eine Initiative des Bremer Fanprojekts.

Selbstständige Projekte fördern

Das Fanprojekt in Bremen ist eines von insgesamt zwölf, die als „Lernzentrum“ von der Robert Bosch Stiftung und von der Bundeligastiftung gefördert werden. Teil der Bremer Aktivitäten im Rahmen der „Politischen Bildung im Lernzentrum Ostkurvensaal“ ist das Projekt „JuMixx“. Dessen Ansatzpunkt ist ein auffälliger Gegensatz zwischen der Realität der deutschen Gesellschaft und der im Stadion vertretenen Zuschauerzusammensetzung. Während es mittlerweile selbstverständlich ist, dass auf dem Platz Spieler ganz unterschiedlicher Nationalitäten und Herkunftsländer stehen, sieht es auf den Rängen noch anders aus. Auch im Weser-Stadion spiegelt der verhältnismäßig geringe Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht die Zusammensetzung der Bremer Bevölkerung wider. Nur wenige von ihnen nehmen aktiv am Geschehen rund um das Werder-Team im Stadion teil oder sind gar in der Fanszene aktiv, obwohl das Interesse für den Sport auch in dieser Gruppe natürlich vorhanden ist.

Metin Tolan
Metin Tolan nach seiner Lesung „So werden wir Weltmeister“

Das Fan-Projekt Bremen e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Kontrast zwischen Fußballbegeisterung einerseits und der Abwesenheit von nicht-deutschstämmigen Jugendlichen im Stadion andererseits aufzuarbeiten – und möglichst zu verändern. Seit Oktober 2010 besteht daher das Modul „JuMixx“, das unter dem Motto „JuMixx yourself“, Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund durch verschiedene Aktionen zusammenbringen soll. Ziel ist es, die Jugendlichen zu ermuntern, in Zukunft eigene gemeinsame Projekte mit professioneller Unterstützung zu organisieren. Im laufenden Projektjahr werden verschiedene Veranstaltungen für Jugendliche in die Praxis umgesetzt: Speziell für Schulen gibt es eine sogenannte „Stadionschule“, bei der Berufsfelder im und um das Weser-Stadion vorgestellt werden. Zudem wird ein Medienprojekt mit einer Filmemacherin, angeboten. Eine Lesung mit Metin Tolan, der über die Physik des Fußballs referierte, fand bereits im Oktober 2010 im VIP-Bereich des Stadions statt, eine weitere Lesung durch Autoren mit Migrationshintergrund soll im September 2011 folgen. Um die Jugendlichen auch sportlich herauszufordern, werden außerdem „Futsal-Nächte“ veranstaltet, bei denen sie sich in der südamerikanischen Form des Hallensports ausprobieren können.

Bremer Fans in Israel

Eine lange Tradition haben bereits die Reisen der Bremer Fans nach Israel und die Gegenbesuche israelischer Fans in Deutschland. Im März machte sich wieder eine Gruppe aus dem Norden auf den Weg. Zehn Werderfans und Thomas Hafke vom Fan-Projekt Bremen absolvierten ein anstrengendes aber gelungenes Programm in Israel. Dazu zählte unter anderem ein Besuch im Kibbuz Nachscholim bei Haifa, ein Besuch der Fans von Bnei Hapoel Sachnin, ein Treffen mit den Fans von Maccabi Netanja in Tel Aviv, der Besuch der Fans von Hapoel Katamon Jerusalem, ein Treffen mit der Kapitänin der Palästinensischen Frauennationalmannschaft in Bethlehem und weitere wichtige Programmpunkte wie eine Fahrt in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Mit von der Partie war auch Till Schüssler von der Fan- und Mitgliederabteilung des SV Werder Bremen.

Jugendliche aus der Mevlana-Moschee in Bremen bei der Siegerehrung des Futsalturniers
Jugendliche aus der Mevlana-Moschee in Bremen bei der Siegerehrung des Futsalturniers

„Das Besondere des Austausches in diesem Jahr war, dass wir die Kontakte zu den in Israel lebenden Fans weiter ausbauen und vertiefen konnten“, sagt Thomas Hafke. „So haben wir auch Anhänger von Hapoel Katamon getroffen, die einen eigenen Verein gegründet haben, nachdem ihr eigentlicher Klub Hapoel Jerusalem von einem Investor aufgekauft wurde.“ Partner dieser Reise war wieder die Bildungsstätte für interkulturelle Begegnungen "Dialog" und die Israfans, ein Zusammenschluss israelischer Fußballfans. Unterstützt wurde die außerordentliche Begegnung von ConAct; dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales und von Werder Bremen. Besonderer Dank geht diesmal an Marco Bode, Frank Baumann und Björn Schierenbeck.

Das Programm der Bremer Israelreise.

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