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15. Apr 2014

Grundlagen sind für alle da! Fanprojekt-Fortbildung im März und April

Gruppenbild

Zu den Tätigkeitsfeldern der KOS gehört es auch, Weiterbildungsmöglichkeiten für die Fanprojekte zu konzipieren und anzubieten. Manchmal geht es dabei um sehr spezifische Themen, manchmal um die Basis. Wir berichten vom Grundlagenseminar Fanarbeit, das in zwei Modulen im März und April in Berlin stattfand.

„Das Seminar hat es geschafft, die Theorie mit der Praxis zu verbinden und eine klare anschauliche Einordnung unserer Tätigkeit in den Methodenmix der Sozialen Arbeit gegeben. Die Veranstaltung hat bei den Teilnehmern für mehr Verhaltenssicherheit durch die gemeinsame Erarbeitung und Analyse in Bezug auf die Sozialraumarbeit der Fanprojekte gesorgt. Ich freue mich schon auf das zweite Modul.“ (Stefan Roggenthin, FP Magdeburg)

Ein Grundlagenseminar Fanarbeit? Das klingt als Fortbildungsangebot für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fanprojekte auf den ersten Blick seltsam. Schließlich sollten sie doch schon wissen, was sie da tun. Tatsächlich jedoch kam der Wunsch nach einer solchen Fortbildung aus dem Kreis der KollegInnen selbst. Zum einen geht es dabei darum, NeueinsteigerInnen eine fachliche Orientierung im kollegialen Kreis zu ermöglichen, die Inhalte und Methoden des zweiteiligen Seminars sind jedoch auch wichtige Bausteine für die Reflektion der – möglicherweise schon jahrelangen – Tätigkeit im Fanprojekt, um die eigenen Erwartungen und die des umgebenden Netzwerkes, um Handlungsaufträge und schließlich auch um Methoden wie aufsuchende Jugendarbeit oder Einzelfallberatung in schwierigen Situationen.

Theatergruppe in Aktion

In Zusammenarbeit mit der Bundesakademie für Kirche und Diakonie konnte die KOS dieses Grundlagenseminar in zwei Modulen im März und April erstmals anbieten. Mit Frank Dölker, Dozent an der Bundesakademie für Kirche und Diakonie und Hochschullehrer am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda, konnten wir dabei einen ausgewiesenen Experten aus dem Bereich Streetwork gewinnen. Gemeinsam mit ihm haben wir den Workshop auf das sehr spezielle Arbeitsgebiet der Fanprojekte zugeschnitten. Neben Frank Dölker begleitete auch Helmut Heitmann aus Berlin das Seminar. Gemeinsam sorgten sie für eine äußerst kompetente und angenehme Workshopleitung.

Perfekte Rahmenbedingungen

Als Seminarort stand das Hotel der Bundesakademie im schönen Berlin Pankow zur Verfügung. Der Flair des ehemaligen Wohnheims der Parteihochschule der SED, das heute als Tagungshaus dient, und der wunderbare Park drumherum sorgten für eine positive Diskussionsatmosphäre. Die Themen, die in den jeweils dreitägigen Modulen behandelt wurden, orientierten sich an den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen: Es ging unter anderem um Rollenklarheit, Gruppen- und Einzelarbeit, Nähe-Distanz-Thematik, das Verhalten in Konfliktsituationen mit der Polizei und Netzwerkarbeit.

„Ich bin sehr zufrieden nach Leipzig zurückgekehrt. „Grundlagen Fanarbeit“ war das Thema des Seminars und die Themen, die wir im ersten Block behandelt haben, entsprachen voll und ganz meinen Erwartungen. Der Mix aus Neulingen und „alten Hasen“ hat für mich zu sehr konstruktiven Diskussionen beigetragen.“ (Jakob Grudzinski, FP Leipzig)

Erfreulicherweise setzte sich die Gruppe aus Newcomern und erfahrenen FanprojektmitarbeiterInnen zusammen, was die Diskussionen lebendig machte und den Austausch sehr bereicherte. Die Stimmung in der Gruppe war bestens, der Umgang miteinander vertrauensvoll und sehr angenehm. Die Seminarleiter sorgten für eine gute Struktur, mit der richtigen Mischung aus fachlichem Input, Gruppenarbeit und Pausen –, gemäß dem Motto „Eile langsam“.

Taschentheater mit "Lauch"

Die Abendgestaltung ergab sich spontan und nach Bedürfnis. Außer den Fußballspielen der Champions League im Fernsehen besuchte ein Teil der Gruppe am 31.03.das Heimspiel des 1. FC Union Berlin gegen den FC Energie Cottbus. Ein gemeinsamer Gruppenausflug zum internationalen Fußballfilmfestival „11mm“ im Kino Babylon konnte dank der Ticketreservierung durch das Berliner Fanprojekt realisiert werden. Für allabendliche Treffen eignete sich der Gruppenraum direkt neben dem Hotelfoyer mit stets gut gefülltem Getränkekühlschrank und einer Kasse des Vertrauens, in die ein kleiner Obolus für Getränke entrichtet wurde, perfekt.

Erfolgreiches Experiment

Das Seminar endete nicht wie sonst oft mit einer eher ermüdenden Feedbackrunde, sondern ging sehr erfrischend und amüsant am letzten Tag mit kleinen Taschentheater-Inszenierungen in Gruppen zu Ende. Taschentheater oder Theater aus der Tasche heißt,  es wird mit Gegenständen, die man in den eigenen Taschen findet, wie Stifte, Feuerzeug Handy, Flaschen, Lippenstift auf einem Tisch als Bühne, eine Szene mit Bezug zum Seminar vorgespielt. Dabei wurden Genres vorgegeben – Krimi, Love Story, Drama, Soziales, Science Fiction. Ansonsten waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt, und unerwartete Talente wurden sichtbar. Es wurde viel gelacht, insbesondere über die Gruppe, die scheinbar nichts in den Taschen hatte und sich zu körperlichen Bühnenaktivitäten hinreißen ließ.

„Mein Zitat vom 2. Tag: „In den Fanprojekten arbeiten viele gute Leute!“ Das Grundlagenseminar hat gezeigt, dass in den Fanprojekten sehr oft die gleichen Fragen diskutiert werden, unabhängig davon, ob Bundesliga oder Regionalliga, ob das Fanprojekt erst ein Jahr oder 20 besteht, ob die Kollegin erst ein paar Monate dort arbeitet oder sich der Kollege seit den 90er-Jahren in diesem Berufsfeld bewegt. Im intensiven Austausch der Fanprojekte aus Nord, Süd, West und Ost wurden durch das Seminar viele Antworten und Hilfestellungen gegeben.“ (Sebastian Feis, FP Aachen)

Das Resümee aller Beteiligten nach zwei Modulen war so positiv, dass wir hoffentlich eine Wiederholung im nächsten Jahr realisieren können. Klares Fazit: Das Seminar eignet sich für alle, denn die Beschäftigung mit Grundlagen der Arbeit ist zu jedem Zeitpunkt der Tätigkeit im Fanprojekt sinnvoll: für Neue, Nicht-mehr-Neue, ausgebildete PädagogInnen oder SozialarbeiterInnen ebenso wie QuereinsteigerInnen, für alle, die Fragen haben und Antworten suchen – und im Kreise engagierter KollegInnen vom geballter Expertise profitieren wollen.

„Das Seminar fand ich sowohl vom Ambiente her als auch seitens der Seminarleitung und der inhaltlichen Gestaltung sehr ansprechend. Als früherer Quereinsteiger sind für mich ja Fortbildungen mit einem solchen fachlichen Anspruch stets wertvoll. Nach 20 Dienstjahren ist es für mich aber auch regelmäßig ein gutes Gefühl, festzustellen, dass viele Dinge, die man sich angeeignet hat und teilweise „aus dem Bauch heraus“ macht, eben auch fachlich und methodisch durchaus richtig sind.“ (Matthias Stein, FP Jena)

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