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15. Jul 2013

Neue Themen, neue Teilnehmerinnen. F_in-Treffen in Dachau

Die Teilnehmerinnen Gruppenbild

Zum achten Mal traf sich das 2004 gegründete Netzwerk F_in Frauen im Fußball, diesmal im Süden des Landes. Auf dem Programm standen mit dem Besuch der KZ-Gedenkstätte in Dachau diesmal auch Diskussionen über Themen, die aus dem Fußballkontext hinausführen.

Das diesjährige Treffen des Netzwerks F_in Frauen im Fußball fand vom 14. bis 16. Juni  in Dachau statt. Insgesamt waren 28 Teilnehmerinnen angereist, darunter viele Frauen, die das erste Mal an einem F_in-Treffen teilnahmen. Weit über die Hälfte der Frauen kamen aus dem Norden und der Mitte Deutschlands – Hamburg, Hannover, Bielefeld, Berlin, Kiel, Offenbach und Magdeburg –, aber auch Palermo, Nürnberg, Saarbrücken und Wien waren vertreten. Für die KOS berichten die Teilnehmerinnen von der Veranstaltung:

Federführend für die Organisation vor Ort war Andrea Sailer vom Fanprojekt München, finanziell unterstützt wurde unsere Veranstaltung auch in diesem Jahr von der KOS – dafür ein herzliches Dankeschön! Nachdem wir am Freitagabend nach der Anreise mit einer anregenden Kennenlernrunde gestartet waren, ging es anschließend in den Biergarten. Schon der Weg dorthin lieferte Einblicke in die lokale Gastronomiekultur – der Kiosk um die Ecke hatte eine tolle Geschäftsidee zur Grillzeit umgesetzt und verkaufte Wurst aus dem Automaten.

Wurst aus dem Automaten

Diskussionsthema Nationalsozialismus

Am Samstag stand zunächst der Besuch der Gedenkstätte in Dachau auf dem Programm. Die Führung durch Klaus Schultz von der Versöhnungskirche – maßgeblich an der Einrichtung und Durchführung des „Erinnerungstages“ im deutschen Fußball beteiligt – war sehr informativ und unbedingt zu empfehlen. Auch Fußballbezüge spielten dabei eine Rolle: So war unter anderem der langjährige Bayern-Präsident Kurt Landauer zeitweise in Dachau inhaftiert. Anders als viele andere jüdische Spieler und Funktionäre überlebte Landauer den Nationalsozialismus, er wurde nach dem Krieg erneut Bayern-Präsident. Die Erinnerung an ihn wird besonders von den Ultras in München gepflegt, die just an diesem Wochenende ihr jährliches Kurt-Landauer-Turnier veranstalteten.

Eine Galerie zum Besuch der Gedenkstätte in Dachau von Fotografin Ariane Gramelspacher befindet sich hier.

Für uns ergaben sich während der rund dreistündigen Führung einige Fragen, die wir vor Ort und später diskutierten. Hierbei ging es vor allem um das von den Nazis so genannte „Lagerbordell“, ein Ort im KZ Dachau, an dem privilegierte Häftlinge an Frauen, die oftmals aus anderen KZ-Lagern dazu abgestellt worden waren, sexuelle Handlungen oder besser sexuelle Gewalt ausüben durften. Wir waren uns einig, dass wir den Begriff „Bordell“ in diesem Kontext nicht verwenden würden, sondern von einer Einrichtung zur Ausübung sexueller Gewalt sprechen wollen. Eine Anregung, die wir gern sowohl an die Versöhnungskirche als auch die Gedenkstätte selbst weiterreichen wollen. Mehr Hintergrundmaterial zum Thema findet sich beispielsweise hier: Christa Paul: Zwangsprostitution. Staatlich errichtete Bordelle im Nationalsozialismus. Edition Hentrich, Berlin 1994

F_in am Samstag

Das Thema Frauen und Nationalsozialismus begleitete uns noch weiter. Am Samstagnachmittag war Ulla Hoppen von den „Löwenfans gegen Rechts“ (www.loewen-fans-gegen-rechts.com) zu Gast und berichtete uns über Frauen in der extrem rechten Szene mit Münchener Fußballbezug. Daran schloss sich eine angeregte Diskussion über die Möglichkeiten des Umgangs mit rechten Frauen in der Fanszene an, einschließlich weiterer Erfahrungsberichte aus anderen Fanszenen. Ein Thema, das wir auf jeden Fall gern weiterverfolgen wollen.

Abkühlung zum Abschluss

Am abschließenden Sonntag haben wir uns dann mit dem Thema „Frauen in der Ultraszene“ beschäftigt – hier stellte uns Heidi Thaler in einem Vortrag die bisherigen Ergebnisse ihrer aktuellen Forschung vor. Anschließend standen noch Diskussionen zu weiteren künftigen F_in-Aktivitäten und zum 10-jährigen Jubiläum unseres Netzwerks im kommenden Jahr auf dem Programm. Vor der Abreise gab es allerdings noch eine besondere Überraschung am Sonntagnachmittag: An der alten Olympiaregatta-Strecke von 1972 erwarteten uns ein Kollege von Andrea Sailer, Thomas vom Fanprojekt München und seine Freundin Martina, um uns ins Stand-up-Paddeln einzuführen. Das war für alle einen neue Sportart und eine großartige Erfahrung. Bei 27 Grad im Schatten spielte das Wetter mit und alle, die noch geblieben waren, konnten diese Abkühlung sehr genießen.

F_in am Sonntag

Wir freuen uns auf anregende Diskussionen in den kommenden Wochen und Monaten mit neuen Frauen bei F_in und hoffen auf eine große Teilnahme im nächsten Jahr zum 10-jährigen Jubiläum!

F_in Netzwerk „Frauen im Fußball“

F_in ist ein internationaler Zusammenschluss von weiblichen Fans, Fanprojekt-Mitarbeiterinnen, Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen Gegründet wurde das Netzwerk im Jahr 2004 im Rahmen der von der deutschen Koordinationsstelle Fan-Projekte (KOS) veranstalteten Tagung „Abseitsfalle!?“.

F_in will

  • Frauen in verschiedenen Bereichen wie Fanprojekten, Fanorganisationen, Journalismus, Wissenschaft, Mädchenarbeit vernetzen
  • Frauen im Fußballkontext sichtbarer machen
  • Sexismus und Diskriminierung im Fußball aufzeigen und bekämpfen

Mehr Infos zu F_in gibt es auf der Website www.f-in.org und bei Facebook www.facebook.com/frauenimfussball

Ein Bericht der Bielefelder Teilnehmerinnen zum Treffen in Dachau findet sich auf der Website des dortigen Fanprojekts: www.fanprojekt-bielefeld.de/.../ein-bericht-der-bielefelder-teilnehmerinnen.

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