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16. Mär 2011

Große Resonanz bei Fanbefragung in Jena

Fanblock

„An der Lebenswelt der Fans orientiert“ – so lautet eine der Wendungen, mit denen die Arbeit sozialpädagogischer Fanprojekte beschrieben wird. Da kann es neben Auswärtsfahrten und Gesprächsangeboten nicht schaden, einfach mal direkt bei den Fans nachzufragen, wie sie ihren Fußballalltag und die Arbeit des Fanprojekts denn so erleben. So machte es das Fanprojekt Jena in einer nun vorgestellten Umfrage unter den Fans des Drittligisten FC Carl Zeiss Jena.

Den Anstoß dazu gab Daniel Engler, Student der Sozialen Arbeit, der sein Praxissemester im Fanprojekt Jena absolvierte und Interesse an einer umfangreicheren Befragung unter Fußballfans hatte: „Bei der Ausarbeitung des Fragebogens habe ich auch auf Erfahrungen des Fanprojekts Dresden zurückgegriffen, die eine ähnliche Aktion gemacht haben. Wichtig war, wirklich zu versuchen, eine große Menge an Leuten zu erreichen, um auch zu aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen.“ Das hat funktioniert: Die Umfrage wurde in den Fanforen im Internet verlinkt und als Printversion bei Spielen und im Fanprojekt verteilt und die immerhin 44 Fragen wurden schließlich von knapp 1.000 Menschen beantwortet. „Dieser sehr gute Rücklauf und auch das Feedback zeigt auch das Interesse der Fans an den abgefragten Themen“, so Daniel Engler.

Anregungen für Verein und Mannschaft

Das Spektrum der Fragen, um die es geht, ist sehr breit: Es geht um die Gestaltung des Spielbesuchs, die Bedeutung des Fan-Seins und des Vereins für das eigene Leben, die Art des Supports, aber auch um die Beurteilung von Sicherheitspersonal und Polizei. Manche Ergebnisse wie die große Bedeutung des Klubs und seines Schicksals für das eigene Leben sind aus Fan- und Fanprojektsicht wenig überraschend, verdienen es aber, gerade Verein und Mannschaft noch einmal präsentiert zu werden. Dass das Stadion dabei so etwas wie ein zweites Zuhause ist, lässt sich auch daran ablesen, dass etwa Dreiviertel der Befragten im Ernst-Abbe-Sportfeld einen „Stammplatz“ hat und beinahe genauso viele, die sozialen Kontakte im Stadion als wichtig oder äußerst wichtig bezeichnen.

Fanblock

In den offen zu beantwortenden Fragen konnten die Umfrageteilnehmer Verbesserungsvorschläge für verschiedene Bereiche machen. Einige davon sind bereits bei den richtigen Adressaten angekommen, wie Daniel Engler berichtet: „Sehr erfreulich ist, dass der Verein an der Umfrage deutliches Interesse zeigt und vielleicht auch manche Anregung aufnimmt. So gab es etwa den Wunsch nach Ermäßigungen für Studenten und Familien. Auf die Mannschaft bezogen wünschen sich die Fans mehr Nähe zu den Spielern, zum Beispiel durch Gesprächsrunden im Fanprojekt.“

Pyro, Polizei und Ordnungsdienst

Auch das Thema Gewalt wurde natürlich nicht ausgespart. Fast zwei Drittel der Befragten gaben dabei an, bereits gewalttätige Auseinandersetzungen im oder um das Stadion erlebt zu haben. Zum Thema Stadionverbote waren die Antworten divers: 59 Prozent betrachten Stadionverbote als geeignetes Mittel, um künftigen Straftaten entgegenzuwirken, 41 Prozent lehnten sie ab. Bei der Antwort, wann ein Stadionverbot angemessen ist, waren Mehrfachnennungen möglich. Hier sorgte das aktuell vieldiskutierte Thema Pyrotechnik für interessante Antworten: Während ein Großteil der Teilnehmer (58 %) Stadionverbote nach gewalttätigen Auseinandersetzungen akzeptiert, rechtfertigt das Abbrennen von Pyrotechnik nur für knapp jeden Vierten (23 %) ein Stadionverbot. Dabei wurde allerdings von 13 Personen ergänzt, dass es bei kontrolliertem Abbrennen keine Strafe geben solle.

Einen weiteren bemerkenswerten Aspekt der Ergebnisse hebt Daniel Engler hervor: „Auffällig ist, dass die Arbeit des Ordnungsdienstes im Stadion und die der Polizei rund um das Stadion sehr unterschiedlich eingeschätzt wird. Obwohl es auch hier einige Verbesserungsvorschläge wie den Wunsch nach mehr Freundlichkeit gibt, betrachtet doch fast die Hälfte die Sicherheitsmaßnahmen des Ordnungspersonals im Stadion als angemessen.“ Von der Arbeit der Polizei rund um den Spieltag lässt sich das nicht sagen: Nur 10 % der Befragten halten sie für genau richtig, 90 % sind mit den Sicherheitsmaßnahmen der Polizei außerhalb des Stadions unzufrieden, wobei der größten Teil sie für übertrieben hält, ein Drittel jedoch meint, die Maßnahmen seien zu lasch.

Das Fanhaus
Das Fanhaus

Fanprojekt bekannt und geschätzt

Positive Nachrichten können das Fanprojekt Jena und seine Förderer in der Stadt der Umfrage entnehmen. Mit einem Bekanntheitsgrad von 88 Prozent und einer Einschätzung der Arbeit als gut oder sehr gut bei 77 Prozent der Befragten erreicht die Einrichtung absolut positive Werte. Sicherlich ein Verdienst der in Jena über lange Jahre engagiert geleisteten Arbeit und der idealen Lage des Fantreffs am Stadion. Auch für das Fanprojekt liefert die Umfrage jedoch Stoff zum Nachdenken und für Verbesserungen. So wurden die Angebote des Fanprojekts trotz großer Bekanntheit nur von einem Drittel der Befragten genutzt, 43 Prozent sind sich unsicher, ob sie mit ihren Problemen Kontakt zum Fanprojekt aufnehmen würden. Der Wunsch nach mehr Informationen über Angebote und Aufgaben und persönlichem Kontakt wurde ebenfalls geäußert.

„Die Umfrage zeigt auch den stets steigenden, sehr vielseitigen Bedarf der Fans an Unterstützung rund um das Spielereignis und darüber hinaus“, sagt Christian Helbich vom Fanprojekt Jena e.V. „Das ist eine Aufgabe, die das Fanprojekt schon durch seine begrenzten personellen Ressourcen, aber auch durch seinen auf die Jugendarbeit ausgerichteten Arbeitsauftrag nicht ganz allein bewältigen kann. Der Fußballverein ist hier natürlich mit in der Pflicht, seine Angebote kontinuierlich zu erweitern und an die Wünsche seiner Anhänger anzupassen.“

Die Ergebnisse der Befragung in Jena sind nicht nur den Fans zugänglich, sondern wurden natürlich auch den Kooperationspartnern und Förderern des Fanprojekts übermittelt und stießen dort auf reges Interesse. Eine weitere Befragung zu einem späteren Zeitpunkt, um auch Aussagen über die Entwicklungen machen zu können, ist bereits angedacht. Auch Daniel Engler möchte an dem Thema weiterarbeiten: Zunächst werden die Ergebnisse der Befragung in seine Bachelorarbeit einfließen, er hofft jedoch auch, andere Fanprojekte für ähnliche, auf ihren Standort zugeschnittene Projekte gewinnen zu können. „Ein breiter angelegter Vergleich solcher Ergebnisse wäre natürlich sehr interessant und könnte für die Arbeit der Fanprojekte sicher einige Anregungen liefern.“

Die Ergebnisse der Umfrage aus Jena können hier herunterladen bzw. eingesehen werden. Interessierte haben zudem die Möglichkeit, sich die Ergebnisse im Fanprojekt als gedruckte Broschüre abzuholen.

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