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19. Okt 2010

Presseschau zur Fandemo

Mehrere Tausend Fans von rund 50 verschiedenen Vereinen gingen am 9. Oktober in Berlin auf die Straße, um für eine bunte und kreative Fankultur und gegen Kommerzialisierung, ungerechtfertigte Stadionverbote und Restriktionen in der Kurve zu demonstrieren. Zu der Demonstration aufgerufen hatten die Fanbündnisse ProFans, das Bündnis aktiver Fußballfans und Unsere Kurve. Wir blicken auf die Pressereaktionen.

Die Veranstalter sprachen in ihrem Fazit von einem großen Erfolg und betonten den absolut friedlichen Verlauf der Demo. Die tagesschau berichtete in ihrer 20-Uhr-Ausgabe vom 9. Oktober über die Proteste der Fans.

In den Zeitungen fand die Veranstaltung ebenfalls ein vielfältiges Echo: „Freunde für einen Tag“ – Für Spiegel Online konstatiert Christoph Biermann: „In den Reden, die in Berlin gehalten wurden, gab es viel Selbstkritisches zum Umgang mit Gewalt zu hören, und gerade deshalb hinterließ die Fan-Demo in der Hauptstadt einen doppelt positiven Eindruck.“

„Ein Mosaik des Unmuts“ – Boris Herrmann liest in der Süddeutschen aus den Forderungen der Fandemo ein Grundsatzproblem ab, „die spannende Frage, ob Fußballspiele in erster Linie für die Fans im Stadion oder die Zuschauer vor dem Fernseher veranstaltet werden.“ Während in England und Italien das Fernsehen diesen Kampf für sich entschieden habe, sei er in Deutschland noch nicht entschieden.

„Fans nehmen gemeinsam Anstoß“– Der Tagesspiegel betont den gemeinsamen Einsatz ansonsten rivalisierender Fangruppen und zitiert den DFB-Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn: „Ich wünsche mir Fanszenen, die ihre Meinung artikulieren. Die kritisch sind, auch uns gegenüber.“

„Die Seele des Fußballs geht auf die Barrikaden“ und „Fußball-Fans demonstrieren für ihre Rechte“ – Die Berichterstattung in derwesten.de im Vorfeld der Demo und hinterher beschäftigt sich u. a. mit den steigenden Ticketpreisen und den mitunter wenig fanfreundlichen Spieltagsansetzungen und weist auf die Fanproteste in Dortmund und Bremen gegen verteuerte Eintrittskarten hin.

„Eine Fankultur, die Millionen kostet“ – Ganz anders wurde hingegen bei Fussball.de aufs Geld geschaut und festgestellt, dass die meistens Demoteilnehmer ohnehin wegen des Länderspiels in Berlin gewesen seien. Das wird zumindest die Ultras, die sich in der Regel nicht für die Nationalelf interessieren, überraschen.
„Männermob für Männerkultur“ – Kritisches zum Begriff der Fankultur gab es in der Jungle World zu lesen „Immerhin sind rechte Ideologiefragmente wie Homophobie oder Nationalismus weiterhin ebenso fester Bestandteil der hiesigen Fußballkultur wie die Duldung von Neonazis in vielen Fankurven unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Trennung von Fußball und Politik.“
„Kein Dialog auf Augenhöhe“ – Im Interview mit 11freunde.de äußert sich Philipp Markhardt von ProFans über die Ziele der Demo, Absagen im Vorfeld und die notwendige Selbstreflexion der Fangruppen: „Es wäre doch paradox an einem Tag ‚Fußballfans sind keine Verbrecher‘ zu schreien und am nächsten Wochenende die Fahnen der rivalisierenden Klubs zu klauen oder ein Fanprojekt zu überfallen.“
„Fankultur erhalten oder neu definieren?“ – Mit der selbstkritischen Auseinandersetzung insbesondere der Ultraszenen zum Thema Gewalt im Zusammenhang mit der Fandemo beschäftigt sich auch ein Beitrag des österreichischen Fußballmagazins ballesterer.

Berichte auf Fan-Websites

Der Betze brennt Kaiserslautern
Redebeitrag der Harlekins Berlin
Schickeria München und Redebeitrag zur Demo
Schwatzgelb.de Dortmund
Bericht von BAFF. Die Rede von Wilko Zicht steht hier als pdf zum Download bereit.
Neben weiteren Redebeiträgen u. a. von ProFans wurde auch eine Grußadresse der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte auf der Demo verlesen, die hier als pdf-Dokument heruntergeladen werden kann.

„Die Ultras im Fanblock – wer ist das eigentlich?“ – Die Fandemo war auch Thema in einem Interview des Leipziger Radiosenders detektor.fm mit Volker Goll von der KOS am 15. Oktober.

Weitere Artikel finden sich auch im Pressespiegel der Veranstalter. Dort ist zudem auch ein mehrteiliges Video mit Impressionen von der Demo verlinkt.

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