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19. Okt 2011

Neues Stadion in Halle bringt Fans und Verein enger zusammen

Stadion

Der Hallesche FC verfügt seit einigen Wochen über eine neue Spielstätte. Bei der Planung des Stadions waren die Fans des Viertligisten beteiligt, das Fanprojekt koordinierte und vermittelte bei den Gesprächen. Zur Eröffnung gab es dann sogar eine Pyroshow mit Ausnahmegenehmigung.

Am 20. September wurde die Einweihung des neues Stadions gefeiert, eingeladen hatte man den derzeit schwächelnden Traditionsklub der ersten Bundesliga, den Hamburger Sport-Verein. Der reiste zwar  nicht mit Topbesetzung an und gewann trotzdem, aber das war im Grunde nebensächlich, schließlich ging es zuerst und vor allem um die Hallenser selbst und ihr neues Stadion.

Mit einer Kapazität von 15.000 Plätzen, davon 9.000 Stehplätze und 6.000 davon wiederum hinter dem Tor in der offiziell so benannten „HFC-Fankurve“ erfüllt der in nur einem Jahr fertiggestellte Bau ziemlich viele Fanwünsche und hat so auch für ein neues Miteinander von Fanszene und Verein in Halle gesorgt, wie Steffen Kluge vom Streetwork Fanprojekt berichtet. Errichtet wurde das Stadion am altem Standort, der schöne Name Kurt-Wabbel-Stadion allerdings musste dem eines weiteren Energiekonzerns weichen. „Die Fans haben sich seit Jahren für einen Neubau am alten Standort eingesetzt“, sagt Steffen Kluge. „Auf keinen Fall wollten sie auf die grüne Wiese, wie an so vielen anderen Orten. Außerdem waren natürlich fanfreundliche und Traditionselemente wichtig, wie zum Beispiel der Erhalt einer historischen Außenmauer.“ Um dafür zu sorgen, dass Faninteressen in der Planung berücksichtigt werden, gründete sich die Faninitiative „Pro Stadion“, die mit einer Demo auf dem Marktplatz und Besuchen von Stadtratssitzungen auf ihr Anliegen aufmerksam machte.

Stadion Fankurve

Stadion ohne viel Schnickschnack

Auch in Halle sind die Stadtkassen natürlich leer, weshalb die Stadionbaupläne auch nicht auf ungeteilte Begeisterung stießen: Elf der insgesamt verbauten 17 Millionen kamen schließlich von der Stadt, durch den Verkauf von Immobilien. „Das waren lange Diskussionen, natürlich auch weil die HFC-Fans nicht das allerbeste Image haben“, berichtet Steffen Kluge. „Für die Fans war der Neubau aber eine tolle Motivation, sich einzubringen, und für das Fanprojekt eine gute Gelegenheit, die Ultras und ältere Fans gemeinsam an einen Tisch zu kriegen, weil das Thema alle interessiert.“ Viel Arbeit für das Fanprojekt, das mit Steffen Kluge nur über eine hauptamtliche sozialpädagogische Fachkraft verfügt. Wertvolle Unterstützung vor allem im organisatorischen Bereich erhält er von Uwe Striesenow. Und in den vergangenen Wochen und Monaten war rund um den Stadionneubau und das Engagement der Fanszene einiges zu tun.

Fan bei der Arbeit

Der Hallesche FC setzte einen Baukoordinator ein, der sich als guter Ansprechpartner für die Belange der Fans erwies, sprich er wurde mit Ideen geradezu überhäuft, hörte sich alles an und vieles wurde dann auch umgesetzt. „Es ist ein Stadion ohne viel Schnickschnack geworden, aber mit vielem, was die Fans wollten“, resümiert Steffen Kluge. Dazu gehören neben großen Dingen wie dem Standort und der Stehplatztribüne hinter dem Tor auch Kleinigkeiten wie die richtige Mauerhöhe für das optimale Aufhängen der Fahnen. Insgesamt hat die Zusammenarbeit, wie Steffen Kluge berichtet, bestens geklappt. Die Fans beteiligten sich darüber hinaus noch in vielerlei Hinsicht beim Stadionbau: So wurde die Baustelle in Kooperation mit der Baufirma im Rahmen eines 400-Euro-Jobs von HFC-Fans überwacht, die Ultras strichen Treppenstufen auf der Stehplatztribüne und behoben in der Nacht vor der Eröffnung noch eine falsche Nummerierung der Sitze. Der große Höhepunkt stand natürlich mit der Eröffnung bevor. Bereits einige Tage vorher waren zum Tag der offenen Tür mit Unterhaltungsprogramm schon 25.000 Hallenser gekommen, um das neue Stadion zu begutachten. Ein Zeichen dafür, dass man in der Stadt auch außerhalb der eingeschworenen Fanszene großes Interesse am Geschick des Vereins und seiner Spielstätte hat.

Pyroshow

Eröffnung mit Bengalos

Zur sportlichen Eröffnung des ausverkauften Stadions hatten die HFC-Fans eine Choreo mit Banner und Pyroshow geplant, zudem sollte ein Feuerwerk im Stadion stattfinden. So etwas geht natürlich nicht ganz ohne Schwierigkeiten und langwierige Diskussionen ab. „Wir hatten viele Verhandlungen mit Verein, Feuerwehr und Polizei“, sagt Steffen Kluge. „Dann war alles geklärt, die Bengaloshow war sogar mit der Feuerwehr im Vorfeld geprobt worden. Aber eine halbe Stunde vor Anpfiff hatte der DFB noch Einwände.“ Nach weiteren Verhandlungen und persönlichem Einsatz des Hallenser Präsidenten konnte die Eröffnung mit feuriger Untermalung schließlich stattfinden: eine Choreo samt Pyro von der Tribüne vor dem Spiel und ein Feuerwerk im Stadion hinterher.

Insgesamt haben das Stadion und dessen Eröffnung dem Verein und den Fans gleichermaßen gutgetan, meint Steffen Kluge. „Das Verhältnis zwischen Fans und Verein war in der Vergangenheit ja nicht immer nur einfach. Da ist es gut, dass man einander gegenseitig erfolgreich vertraut und Verantwortung überlassen hat.“ Und die neue Spielstätte zieht offensichtlich auch neue Zuschauer an. Zum erstem Heimspiel nach der Eröffnung kamen 9.200 – und das zur Partie Wilhelmshaven, die nicht gerade ein Derby ist. Steffen Kluge rechnet für die Zukunft mit 4.000 bis 5.000 Zuschauern. „Das wäre für die 4. Liga schon ein guter Schnitt. Also im Moment passt es.“

Mehr zum Fanprojekt Halle finden Sie in unserer Rubrik Fanprojekte.

Video von der Pyroshow der Hallenser Fans
www.youtube.com/watch...

Bericht der Mitteldeutschen Zeitung zum Tag der offenen Tür
www.mz-web.de/...1017162035665

und zur Stadioneinweihung
www.mz-web.de/...1315819394605

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