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20. Sep 2012

Ein gutes erstes Jahr: Fanprojekt Osnabrück

Fahnenmaltag

Im Juli 2011 startete die pädagogische Fanarbeit in Osnabrück. Die erste Bilanz ist positiv, nicht zuletzt dank der engagierten Mitarbeiter im Fanprojekt. Unterstützt wird die Arbeit zudem durch die enge Anbindung an die Jugendbehörde der Stadt in Person von Detlef Strüben. Er berichtet über die ungewöhnliche Osnabrücker Trägerstruktur, die lilaweiße Fanszene und die Auswirkungen der bundesweiten Debatten um Fangewalt.

Detlef Strüben arbeitet im Fachbereich Jugend der Stadt Osnabrück, ist dort Teamleiter für Streetwork und hat die fachliche Leitung des Fanprojekts inne. Gemeinsam mit den hauptamtlichen Mitarbeitern Michael Aschmann und Marc Hülsmann ist er seit etwas mehr als einem Jahr für die sozialpädagogische Arbeit mit jungen Fußballfans in Osnabrück zuständig. Die Vorbereitungen für eines der jüngsten Fanprojekte in Deutschland gehen aber noch viel weiter zurück.

Der Kreis schließt sich

Zum Beispiel bis zur Einrichtung des Öffentlichen Ausschusses Sport und Sicherheit unter Beteiligung von Polizei, städtischen Behörden, Vereinen usw. vor drei Jahren. Dort stellte bei einer Sitzung das Fanprojekt Hannover seine Arbeit vor, die auf das Interesse der beteiligten Institutionen stieß. Daraus entstanden die konkreten Planungen für die Einrichtung eines Fanprojekts in Osnabrück, auch mit Unterstützung des Oberbürgermeisters, selbst bekennender VfL-Fan. Nach Gesprächen, Verhandlungen und Informationsbesuchen der Koordinationsstelle Fanprojekte stand der Gründung schließlich nichts mehr im Weg und das Fanprojekt nahm im Juli 2011 seine Arbeit auf. Das Fanprojekt selbst wird zunächst für drei Jahre gefördert, danach wird evaluiert. Für Detlef Strüben selbst schließt sich damit der Kreis, denn er war auch schon beim ersten Osnabrücker Fanprojekt beteiligt, das 1986/87 über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme finanziert wurde. Die Förderung lief aus, Strüben fand eine Anschlusstätigkeit im Jugendamt der Stadt und war nun begeistert als Fachleiter den Neuanfang begleiten und unterstützen zu können: „Wir haben eine etwas ungewöhnliche Trägerkonstruktion, konkret heißt das Caritas, Diakonisches Werk und die Stadt Osnabrück bilden den Trägerverbund. Die Federführung liegt bei der Stadt und in der praktischen Arbeit funktioniert es bisher.“

Ostkurve (VfL - Unterhaching)

Überhaupt funktioniert es mit dem Fanprojekt in Osnabrück. Das Fazit nach einem guten Jahr fällt positiv aus. „Es ist uns relativ schnell gelungen, guten Kontakt in die Fanszene herzustellen. Da haben wir auch im Vorfeld schon dran gearbeitet und die Akzeptanz für ein Fanprojekt war auch bereits vorhanden.“ Die Verbindung und Kooperation mit Ultragruppen, Fanklubdachverband ebenso wie zum Fanbeauftragten und zum Verein sind gut. Einen großen Anteil an der erfolgreichen Bilanz haben die Mitarbeiter Michael Aschmann und Marc Hülsmann. „Personell war das ein Volltreffer, die beiden haben das super vorangebracht. Und unser Beharren darauf, das Fanprojekt nur mit einer soliden personellen Ausstattung von zwei vollen Stellen plus meiner Beteiligung zu starten, hat sich ausgezahlt“, sagt Detlef Strüben.

Bundesweite Debatte mit Auswirkungen

Die Tätigkeiten der Osnabrücker decken das Spektrum der sozialpädagogischen Fanprojektarbeit ab: Begleitung zu den Spielen, wobei sich besonders die U16-Fahrten als großer Renner erwiesen haben, Beratung und Einzelfallhilfe, Termine zum Fußballspielen, Veranstaltungen in den Räumlichkeiten des Fanprojekts wie Diskussionen, Frühstücke vor Auswärtsfahrten oder Fahnenmaltage. In Sachen Stadionverbote engagiert sich das Fanprojekt stark, ist bei den Anhörungen vertreten und bemüht sich um alternative Bewährungskonzepte. „Hier können wir durch unsere Träger konkrete Maßnahmen wie Antigewalttrainings vorschlagen und so auf einen deutlicheren präventiven Ansatz drängen“, sagt Detlef Strüben. Für den Standort Osnabrück gilt, was insgesamt in der deutschen Fanprojektlandschaft zu spüren ist: Die seit Monaten dauernde und stark populistisch befeuerte Debatte um Pyrotechnik und Fangewalt wirkt sich auch hier auf die tägliche Arbeit aus. „Die Auswirkungen und eine zunehmende Null-Toleranz-Strategie merken wir auch“, sagt Strüben. „Die Ultraszene veranstaltet von Zeit zu Zeit sogenannte ‚Jugendmärsche‘ ins Stadion. Dabei lief es zuletzt insgesamt friedlich ab, aber es wird jede Menge Pyrotechnik gezündet und dadurch kommt es dennoch zu Konflikten mit der Polizei.“ Ins bildliche kalte Wasser wurden die Fanprojektmitarbeiter nach wenigen Wochen ihrer Tätigkeit gestoßen, als es beim Derby gegen das gerade wieder aufgestiegene Preußen Münster zur heftigen Böllerattacke durch einen Preußen-Fan mit weitreichenden Folgen kam und auch das Fanprojekt von vielen Medienanfragen überrollt wurde. „Kaum zwei Monate bei der Arbeit, schon bundesweit in den Schlagzeilen“, erinnert sich Detlef Strüben. 

Das Fanprojekt-Team
Marc Hülsmann, Detlef Strüben und Michael Aschmann

Nicht überraschend sind es auch in Osnabrück die Ultras, die die Fanszene prägen und damit auch eine große Zielgruppe der Fanprojektarbeit darstellen. „Es gibt verschiedene Gruppen, die aber untereinander nicht groß rivalisieren“, sagt Detlef Strüben. „Auf die jugendlichen Fans, also unsere Zielgruppe, üben die Ultras eine große Anziehungskraft aus.“ Der VfL Osnabrück, obwohl bundesweit nicht allzu präsent, darf sich durchaus als Traditionsverein bezeichnen und zieht für seine Größe und die aktuelle Ligazugehörigkeit hohe Zuschauerzahlen ins Stadion. Viele Anhänger aus dem Umland. Es geht „sehr emotional“ zu, sagt Detlef Strüben, der selbst eine Biografie als VfL-Fan hat. Neben den Ultras gibt es wie überall auch in Fanklubs organisierte Anhänger, Kuttenträger und eine relativ neue kleine Hooligangruppe, deren Entwicklung vom Fanprojekt aufmerksam beobachtet wird. Finanziell steht es derzeit nicht allzu gut um den Drittligisten, die Lizenz konnte nur mit einer Rettungsaktion und durch Unterstützung der Stadt gesichert werden. Aktuell ist eine Ausgliederung der Profiabteilung im Gespräch, ein Thema, das immer auch die aktive Fanszene bewegt. In Osnabrück formierte sich die Initiative „Nur für diesen Verein“ www.nfdv.de, die sich für mehr Fan-Mitbestimmung in den Strukturen engagiert. Es bleibt also auch in den kommenden Monaten und Jahren genug zu tun für Detlef Strüben und seine Kollegen.

Website des Fanprojekts Osnabrück www.fanprojekt-osnabrueck.de

Facebook-Seite des Fanprojekts Osnabrück www.facebook.com/FanprojektOsnabruck

Die Vorstellung des Fanprojekts im Sachbericht 2012 finden Sie hier

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