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20. Dez 2013

Wien, Palermo, KOS: Heidi Thaler ist neu im Team

Das KOS-Team 2013
Das Team der KOS: Michael Garbriel, Jannis Albus, Heidi Thaler, Stephan Stanco, Gerd Wagner, Volker Goll und Susanne Thiel. Auf dem Bild fehlt leider wegen Krankheit unsere liebe Kollegin Marion Kowal. Wir wünschen alles Liebe und gute Besserung.

In diesem Monat hat die Koordinationsstelle Fanprojekte Verstärkung bekommen: Heidi Thaler ist nun als fünfte Referentin im KOS-Team tätig. Für die Österreicherin, die zuletzt in Palermo und Lissabon gelebt hat, ist der Umzug nach Hessen zwar ein Ortswechsel, die Arbeit der Fanprojekte hat sie aber auch schon in ihren bisherigen Tätigkeiten kennengelernt. Im Interview spricht Heidi Thaler über ihre Doktorarbeit zu weiblichen Ultras, künftige Arbeitsschwerpunkte und die österreichische Neutralität im deutschen Fußball.

Heidi, fangen wir mit dem Wichtigsten an: Du bist Fan von Rapid Wien. Aus einem Europa-League-Duell gegen Eintracht Frankfurt wird leider nichts. Aber wir wollen kein Salz in die Wunden streuen. Wirst du dir nun in Frankfurt oder gar Offenbach einen Zweitverein suchen?

Ich kann mich da ja entspannt zurücklehnen, ich werde mir sicherlich die verschiedenen Vereine anschauen, auch weil es mich interessiert, wie die Fanszenen ausschauen und funktionieren, was die machen, was dort los ist. Aber mein Verein ist in Wien, dadurch bin ich erst mal neutral und emotional nicht so beteiligt.

Aber im Büro sind die Vereinsvorlieben ja – nicht nur, was Hessen angeht – breit gestreut. Gab es da schon Indoktrinierungsversuche?

Nein, die konnten wohl schon einschätzen, dass sie da nicht weit kommen würden. Sehr nett war, dass an meinem ersten Tag gleich eine Rapid-Tasse auf meinem Schreibtisch stand. Das hat meine Sehnsucht etwas gedämpft. Wohnen werde ich aber übrigens in Offenbach, das hat sich so ergeben, weil ich eine schöne Wohnung angeboten bekommen habe. Und Offenbach ist, nach dem, was ich bisher gesehen habe, eine vielseitige Stadt mit ganz unterschiedlichen Menschen. Das mag ich sehr gerne.

Kommen wir zur Arbeit. Du bist seit 2. Dezember Mitarbeiterin der KOS. Was hast du vorher beruflich gemacht?

Angefangen hat es wohl damit, dass ich selber aus der Fanszene komme und mich schon im Laufe meines Studiums mit Fankultur, dem Umgang von staatlicher Seite, aber auch den Verbänden und Vereinen mit Fans beschäftigt habe. Dazu habe ich auch meine Diplomarbeit geschrieben. In Verbindung damit habe ich dann angefangen, bei FairPlay in Wien zu arbeiten. Das ist eine interkulturelle Initiative, die sich mit Antidiskriminierung im Fußball befasst und früher auch Koordinationsbüro des FARE-Netzwerks war. Bei FairPlay war ich acht Jahre lang und habe mich auch mit Fanarbeit, Fanrechten, Förderung der Fankultur beschäftigt. Unter anderem war ich dafür zuständig, für die Europameisterschaft 2008 das Fanbotschaftsprogramm zu organisieren und zu koordinieren.

Tassen der KOS

Das heißt, da hast du bereits mit der KOS und den deutschen Fanprojekten zusammengearbeitet.

Auch schon früher. Die Arbeit der KOS habe ich schon 2006 bei der Weltmeisterschaft in Deutschland kennengelernt, es gab dann einen fortlaufenden Austausch. Das lag ja nahe, weil hier schon tolle Arbeit geleistet wurde und es in Österreich keine Fanarbeit gab. Da war es für uns sehr hilfreich, die Expertise aus dem Nachbarland zu haben. Nach der Europameisterschaft war ein Schwerpunkt meiner Arbeit, die Fanarbeit in Österreich zu forcieren. Das haben wir schließlich mit der Einrichtung einer Koordinationsstelle dafür bei FairPlay erreicht. Das war für mich dann aber auch der Punkt, an dem ich gesagt habe, ich übergebe die Arbeit jetzt anderen, nämlich in dem Fall meinem Nachfolger Tommy Gaßler, und mache etwas anderes.

Nämlich was?

In Italien, dem Geburtsland der Ultras, leben – das war schon ganz lange ein großer Wunsch von mir. Das habe ich verknüpft mit meiner Doktorarbeit zu weiblichen Ultras, die ich an der Uni Wien schreibe. Ich bin vor zwei Jahren nach Palermo gegangen, war dort anderthalb Jahre und dann noch sechs Monate in Lissabon, bevor mich dann der Ruf der KOS ereilt hat (lacht).

Ja, wie ist das genau gewesen? Das war ja kein geplanter Karriereschritt …

Nein, geplant war das nicht. Ich wusste nicht einmal von der Stellenausschreibung. Ich war beim 20-jährigen Jubiläum von BAFF eingeladen, um da meine Forschungsergebnisse zu präsentieren, und saß mit Volker Goll beim Bier zusammen. Er hat mich gefragt, was ich so mache, ich habe von Lissabon erzählt und dass ich ab Jahresende einen Job suche, er hat mir erzählt, dass sie eine Stelle ausgeschrieben haben, und dann kamen wir schnell drauf, dass das ja sehr gut zusammenpassen könnte. Ich habe mich beworben und wurde auch genommen, das war genau der richtige Zeitpunkt. Abgesehen davon, dass ich direkt aus Lissabon nach Frankfurt gekommen bin und keine Wintersachen dabei habe.

Was bringst du in die Arbeit ein, wie kannst du das Team ergänzen?

Ich hoffe, dass ich meine Erfahrungen aus der aktiven Fanszene positiv einbringen kann. Durch meine lange Arbeit im Antidiskriminierungsbereich ist das außerdem ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Da ist es mir sehr wichtig, tiefgreifend und langfristig zu arbeiten. Ich bin keine Freundin von plakativen Aktionen oder moralisierender Zeigefingermentalität. Damit kommt man nicht weit. Man muss mit Leuten reden, die Dynamiken der Fankurve verstehen, das interessiert mich sehr, das mache ich gern. Außerdem bin ich ja auch Gründungsmitglied von F_in Frauen im Fußball www.f-in.org, einem ganz tollen Netzwerk mit vielen verschiedenen Frauen. Zudem gibt’s noch mein Dissertationsthema, also weibliche Ultras. Ich habe Interviews mit Frauen in Österreich, Deutschland, Polen und Italien gemacht, das ist sehr spannend und ganz motivierend, mit den weiblichen Ultras zu reden. Aber auch mit Männern, denn diese Geschlechterzuschreibungen betreffen ja nicht nur Frauen, sondern auch Männer und auch die nicht immer nur positiv.

Wie hat deine Arbeit bei der KOS angefangen?

Also, ich bin jetzt ja erst seit einer Woche dabei. Ich kann überall reinschnuppern, bin bei verschiedenen Fanprojekten und Veranstaltungen gewesen, das ist gut. Es macht total Spaß, unterschiedliche Leute zu treffen und Situationen kennenzulernen. Es gibt immer viel zu tun hier, das habe ich schon deutlich gemerkt, also langweilig wird mir sicher nicht werden.

Wie ist es denn so als Österreicherin in Deutschland? Ist das ein Thema für dich?

Ein bisschen, ich überlege zum Beispiel, ob mich alle verstehen oder ob ich womöglich Worte verwende, die man nicht kennt. Da achte ich schon ein wenig drauf. Wenn ich mit den Kolleginnen und Kollegen in München spreche, etwas weniger. Abgesehen vom Dialekt ist das für mich aber tatsächlich ein Vorteil, dass ich mit dem deutschen Fußball nicht so verbunden bin. Ich habe ja keine Vereinspräferenzen hier. Natürlich bin ich dann auch nicht bei allem so informiert, aber das Gute ist, dass mir deswegen auch ganz viel erklärt wird. Das ist für den Einstieg toll, weil nicht so viel als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

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