Home  Newsarchiv  2013  (21.02.2013) „Nicht hinnehmbar“. KOS verurteilt rechtsextreme Angriffe auf Fanbetreuer 

21. Feb 2013

„Nicht hinnehmbar“. KOS verurteilt rechtsextreme Angriffe auf Fanbetreuer

Gegen Nazis

Vor dem Auswärtsspiel von Borussia Dortmund in Donezk kam es zu Angriffen gegen einen Fanprojektmitarbeiter und einen Fanbeauftragten des Vereins, die mutmaßlichen Täter riefen rechte Parolen. Die Koordinationsstelle Fanprojekte drückt ihre Anteilnahme für die Angegriffenen aus und fordert mehr Unterstützung für die Fanbetreuung.

Anzeigen sind erstattet, der Verein hat die Ereignisse verurteilt und Stadionverbote gegen die mutmaßlichen Täter verhängt, am folgenden Spieltag wurde auf einem Banner die Einheit aller BVB-Fans verkündet, die Unterstützung für die Angegriffenen aus der Fanszene ist groß.

Die Vorfälle von Donezk sind jedoch mehr als nur ein weiteres Alarmsignal. „Mit dem Wort ‚Tabubruch‘ ist man immer schnell zur Hand, aber das beschreibt es in diesem Fall“, so Gerd Wagner von der Koordinationsstelle Fanprojekte. Bei den Angriffen auf Jens Volke, Fanbeauftragter des Vereins, und Thilo Danielsmeyer vom Fanprojekt Dortmund handelte es sich offenbar um gezielte Attacken gegen bekannte Gesichter der Fanbetreuung. Volke wurde ins Gesicht geschlagen, als er sich drei Männern näherte, die rechte Parolen riefen. Ukrainische Ordner verhinderten Schlimmeres. Zwei der Männer folgten später Danielsmeyer auf die Toiletten und schlugen zu. Seine Hilferufe alarmierten einen anderen Fan, der dazwischen ging und so schwerere Verletzungen des Fanprojektkollegen verhindern konnte. Die Koordinationsstelle Fanprojekte erklärt ihre Solidarität mit den Angegriffenen und fordert ein klares Handeln gegen Rechtsextremismus im Fußball, nicht nur von Fans, sondern von allen am Fußball Beteiligten.

Rechtsextremismus auf die Agenda

Ein zielgerichteter Angriff unter politischen Vorzeichen ist aus Sicht der KOS ein Einschüchterungsversuch gegen jene, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus in den Fankurven engagieren. Bedroht wird die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Fanprojekten und der Fanbetreuung der Vereine, bedroht sind aber auch Fans, die sich klar positionieren. „Das darf von niemandem hingenommen werden“, sagt Gerd Wagner. „Die Welle der Solidarität aus der Fanszene für Thilo und Jens ist ein positives Zeichen. Hier gilt es, sich gemeinsam gegen die menschenverachtende Ideologie der Rechten zu engagieren, weitere Angriffe und Bedrohungen zu melden und nicht zu verschweigen.“

Gefragt sind jedoch nicht nur die Fans. Der ehrenamtliche Leiter der Fanabteilung des Vereins, Marco Blumberg, wünscht sich ein klares Bekenntnis gegen rechts von Trainer und Mannschaft. Eine Forderung, der sich auch die Koordinationsstelle Fanprojekte anschließt: „Es wäre wünschenswert, wenn sich auch zu einem solchen Thema Spieler, Trainer und Offizielle deutlich zu Wort melden. Auch um dem Eindruck entgegenzuwirken, dass das Abbrennen von Bengalos für mehr Empörung sorgt als ein gewalttätiger Angriff auf Fanbetreuer“, so Wagner. Neben einer klaren Verurteilung nach außen muss jedoch ein ebenso klares Signal nach innen gehören: ein besserer Schutz und mehr Unterstützung für die Fanprojekte und die Fanbeauftragten der Vereine. „Diese Angriffe sind Extremfälle, aber sie werfen ein Schlaglicht auf die Belastungen, der die Kolleginnen und Kollegen ausgesetzt sind“, sagt Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte. „Hier braucht es mehr Schutz und mehr Unterstützung, um diese oft schwierige Arbeit verrichten zu können. Im Zuge der aktuellen Debatte um die Fanprojektfinanzierung müssen auch die Rahmenbedingungen an den einzelnen Standorten deutlich verbessert werden, um die Standards der Fanarbeit einzuhalten. Dazu gehört beispielsweise zwingend, dass Spielbegleitungen auswärts immer mindestens zu zweit gemacht werden.“

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