Home  Newsarchiv  2011  (24.01.2011) Drittmittelfinanzierung stärken: Jährliches Trägertreffen in Frankfurt 

Drittmittelfinanzierung stärken: Jährliches Trägertreffen in Frankfurt

Veranstaltungssaal
Auch dieses Jahr war man auf Grund der vielen Teilnehmer/innen froh, den größten Saal des DFB nutzen zu können

Am 14. Dezember 2010 fand in Frankfurt am Main das jährliche Trägertreffen der Fanprojekte statt. Im Mittelpunkt der angeregten Diskussionen zwischen Fanprojektmitarbeitern, den Trägern und den Fußballverbänden standen die Drittelmittelfinanzierung und aktuelle Kooperationsinitiativen wie das Projekt „Lernort Stadion“.

Einmal jährlich laden der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Zusammenarbeit mit der KOS alle Träger der Fanprojekte ein. Mit der Entscheidung der Fußballverbände, die Fördersumme für Projekte auf potenziell 60.000 Euro zu erhöhen, sofern die Partner der öffentlichen Hand „mitziehen“ und sich jeweils mit demselben möglichen Höchstbetrag beteiligen, wurde auch die Kommunikation zwischen DFB, DFL und den Trägern der Fanprojekte intensiviert. Das Trägertreffen, das jeweils im Wechsel von DFB und DFL organisiert wird, gilt als verbindliches Treffen und ist Bestandteil der Fördervereinbarung des Fußballs mit den Trägern der Fanprojekte.

M. Gabriel
Michael Gabriel lieferte den Input der KOS

Träger müssen sich vernetzen

Die Trägerlandschaft in Deutschland ist sehr vielfältig. Die Palette der Institutionen reicht von Trägern der Jugendhilfe aus den großen bekannten Verbänden über kleinere lokale Träger oder gar freie Trägervereine bis hin zu Jugendämtern, die u.a. Fach- und Dienstaufsicht über die Fanprojekte ausüben. Diese Vielfalt in der Trägerlandschaft entspricht der Unterschiedlichkeit und Vielfalt der jeweiligen lokalen Gegebenheiten. Um dennoch die Standards der Fanprojektarbeit stetig zu verbessern wird seitens der KOS der Fachaustausch stark befürwortet. Michael Gabriel, Leiter der KOS: „Die großen bundesweiten Konferenzen, egal ob unsere Bundeskonferenz der Fanprojekte, die jährlichen Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) oder eben dieses Trägertreffen, tragen dazu bei, die Kommunikation untereinander voranzutreiben und gute Projekte und Ideen miteinander zu vernetzen. Der direkte und persönliche Austausch sind nun mal unersetzlich!“

„Sichere Stadien und wachsende Zuschauerzahlen in den Profiligen sind auch ein Resultat der starken Fanarbeit im deutschen Fußball“, so jedenfalls sehen das der DFB und die DFL. Im Grußwort des Gastgebers lobte der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Helmut Spahn, die „sehr engagierte Arbeit der Projekte, die über ihre wertvolle Jugendsozialarbeit dazu beitragen, dass die Fußballspiele immer sicherer werden.“ Die Arbeit der Fanprojekte ist spätestens seit ihrer institutionellen Förderung mit der Verabschiedung des Nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit (NKSS) 1992 eine Erfolgsgeschichte. „Fanprojekte“, sagte auch Thomas Schneider, Leiter der Fankoordinationsstelle bei der DFL, „sind der Schlüssel für den Erfolg der Fanarbeit im deutschen Fußball.“

Konferenzteilnehmer
Rege Teilnahme und gespannte Mienen

Drittmittelförderung stärken!

Der DFB und die DFL finanzieren unabhängig von den Vereinen 43 Fanprojekte, wobei die Verbände jeweils ein Drittel der Gesamtkosten tragen. Im Jahr 2009 waren das 2,1 Millionen Euro. Die übrigen zwei Drittel tragen die Kommunen und das jeweilige Bundesland. Genau über dieses seit 18 Jahren bewährte Modell – die im NKSS festgeschriebene Drittelfinanzierung – wird aufgrund der angespannten Kassenlage der Kommunen immer häufiger diskutiert.

„Die öffentliche Hand darf sich nicht aus der Drittelfinanzierung verabschieden, auch nicht durch die Hintertür“, forderte Helmut Spahn auf dem Treffen der Fanprojekt-Träger in Frankfurt. Der DFB-Abteilungsleiter für Prävention und Sicherheit sagte: „Es ist ja nicht so, dass wir kein Verständnis für die Haushaltssituation der Städte hätten. Aber auf keinem anderen Feld der Jugendförderung und Sozialarbeit haben die Kommunen Partner, die für jeden eingestellten Euro zwei weitere dazuschießen. Und durch kaum ein anderes Projekt werden vergleichbar viele Jugendliche erreicht und derart positive Resultate erzielt.“

Das kleinste Fanprojekt Deutschlands wird rund um den Regionalligaklub Plauen betrieben, die größten in Berlin, München und Leipzig, auch weil diese Projekte mehrere Fanszenen betreuen. Egal wie groß die Projekte sind, die Angebote ähneln sich: Fanprojekte begleiten die Fans bei Heim- und Auswärtsspielen, bauen so intensive persönliche Kontakte zu den Jugendlichen auf und tauchen tief in deren Lebenswelt ein. Sie unterbreiten neben klassischen Hilfestellungen bei Problemen im Alltag anregende Bildungs- und Sportangebote, sie stärken die kreativen und positiven Kräfte im Fanblock und versuchen Vereine, Polizei und Politik davon zu überzeugen, dass die Einbindung der jeweiligen Fanszenen in sie betreffende Bereiche deren Verantwortung stärkt und so nicht nur zu einer guten Atmosphäre beiträgt, sondern auch zu einer sicheren Umgebung.

Teilnehmer
Kay Herrmann (FP Chemnitz) trägt für den verhinderten Dr. Schuler (AWO Chemnitz) vor

„Frühzeitig Beitrag für mehr Sicherheit im Fußball leisten“

Der Fußball besteht auch deshalb auf eine Drittelung der Kosten, weil Fanprojekte sozialpädagogisch tätig sind und damit eine gesamtgesellschaftlich wertvolle Jugendarbeit leisten. Eine Arbeit, über die DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sagt: „Sie ist enorm wichtig, um frühzeitig einen Beitrag für mehr Sicherheit im Fußball zu leisten, aber eben auch jedweder Diskriminierung vorzubeugen.“ Gewalttaten in deutschen Fußballstadien sind selten geworden, das machten auch die DFB-Vertreter beim Trägertreffen im Dezember deutlich. Bei insgesamt 1973 Spielen kam es vergangene Saison zu 13 Vorfällen innerhalb der Stadien, die als Gewalttaten im engeren Sinne, also als Gewalt gegen Personen, erfasst worden sind.

DFB und DFL bezuschussen ein Fanprojekt mit maximal 60.000 Euro pro Jahr, allerdings nur, wenn auch Kommune und Bundesland einen ebenso großen Teil der Finanzierung übernehmen. Die Gesamtaufwendung stieg zwischen 2007 und 2010 um 65 Prozent. Martin Spitzl vom Deutschen Fußball-Bund relativierte den Anstieg: „Es ist eine Selbstverständlichkeit für den Fußball, sich noch stärker zu engagieren, denn wir haben heute völlig veränderte Rahmenbedingungen. Der Fußball ist heute viel populärer, als sich das irgendwer Anfang der 90er-Jahre vorstellen konnte.“ Stark gewachsen in der Förderung der Fanprojekte ist der Anteil von sogenannten „Viertmitteln“: Sie machen rund 400.000 Euro der Gesamtsumme von mehr als sechs Millionen Euro aus. Mit „Viertmitteln“ werden Gelder bezeichnet, die Vereine, Sponsoren oder andere Partner meist projektbezogen zusteuern. Sofern diese Zuschüsse nicht die bewussten Absichten der Drittelfinanzierung aushebeln, werden sie inzwischen von beiden Fußballverbänden als Förderung der Arbeit des jeweiligen Fanprojekts anerkannt. Dafür allerdings ist zuvor auch eine Expertise der KOS erforderlich.

Konferenzpause
In den Konferenzpausen wurden die bilateralen Beziehungen gepflegt

Lernort Stadion

Eine wachsende Anzahl von Fanprojekten erhält Zuschüsse von der ARGE, den Stadtsparkassen oder seit Kurzem auch von der Robert-Bosch-Stiftung, die an insgesamt sechs Standorten gemeinsam mit dem Fanprojekt vor Ort sogenannte Lernzentren betreibt. Hier werden Jugendliche etwa für ein Bewerbungsgespräch gecoacht oder erwerben EDV-Kenntnisse. Über eine weitere Kooperation mit der Bundesliga-Stiftung der DFL wird es demnächst 12 Fanprojekt-Standorte mit Lernzentren geben.

Die Idee hinter dieser Initiativen schilderte der Leiter des Berliner Fanprojektes, Ralf Busch, für die Tagungsteilnehmer anhand des ausgezeichneten Lernzentrums in Berlin: Die Attraktivität der Fußballvereine und der Stadien kann genutzt werden, um sogenannte bildungsferne Jugendliche zu erreichen und sie in ihrer Schul- oder Berufslaufbahn gezielt zu unterstützen. Die Fanprojekte spielen im Rahmen dieses Programm der Robert-Bosch-Stiftung die zentrale pädagogische Rolle. „Die Lernzentren sind eine weitere von vielen innovativen Ideen, an denen die Fanprojekte beteiligt sind“, erklärte am Rande der Tagung Gerd Wagner, der zuständige Ansprechpartner der KOS für diesen Arbeitsbereich. Zusammen mit dem ehemaligen BAG-Sprecher aus Bochum, Ralf Zänger, bündelt und koordiniert er die Anträge und Projektideen in Richtung der Robert-Bosch-Stiftung.

Eine andere Art der Vernetzung findet sich in Kaiserslautern und Mainz: Dort kooperieren die örtlichen Fanprojekte jeweils sehr erfolgreich mit der Arbeitsagentur – sogar im Stadion. Auf diese Weise können Fans, die nicht so leicht den Weg zur Arbeitsagentur finden, direkt in einen Job vermittelt werden, berichtete Yvonne Ernst vom Fanprojekt Kaiserslautern von den Erfahrungen mit dieser Kooperation. Zum Ende der Tagung bedankte sich Martin Spitzl im Namen des DFB bei den annähernd einhundert Teilnehmerinnnen und Teilnehmern des jährlichen Trägertreffens für deren Kommen und die engagierte Teilnahme. Gerade bei den herrschenden Wetterverhältnissen (Stichwort „Schneechaos“) hatte man doch mit mehr Ausfällen gerechnet, aber nicht nur Fußballfans sind eben gewohnt, bei Wind und Wetter zu reisen.

Dokumente zur Konferenz

Tagesordnung

Die Fanprojekt-Finanzierung des Fußballs
Vortrag von Martin Spitzl (DFB) und Marco Rühmann (DFL)

„Vortrag M. Gabriel“
Input der KOS, inklusive Stichworten zur Rolle der KOS von Michael Gabriel

Vortrag M. Stein
Möglichkeiten und Grenzen der Drittelfinanzierung nach dem NKSS – der Beitrag der BAG von Matthias Stein (FP Jena und BAG-Sprecher).

Vortrag R. Busch
Das Lernzentrum in Berlin stellte der Leiter des Fanprojekte, Ralf Busch, vor.

Vortrag Th. Schuler
Auf große Zustimmung stießen die Ausführungen von Dr. Thomas Schuler
(Vorstandsvorsitzender des AWO Kreisverbands Chemnitz und Umgebung), vorgetragen durch den Fanprojekt-Mitarbeiter Kay Herrmann mit dem Titel: “Das Drittelfinanzierungs-Modell und die derzeitigen Mittelkürzungen von Kommunen.“

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