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24. Aug 2011

„Hexenkessel Lohmühle“: Tradition im hohen Norden

Die Ausstellung
Foto: Andreas Schröder. Zum Vergrößern bitte anklicken

Sie sind selten geworden: die traditionsreichen alten Stadien aus den Anfangsjahren des Fußballs in Deutschland. Eines davon steht in Lübeck und heißt noch heute so wie früher. Die „Lohmühle“ spielt auch in der Arbeit des dortigen Fanprojekts eine wichtige Rolle, nicht zuletzt bei einem historischen Ausstellungsprojekt.

Es ist das derzeit einzige Fanprojekt im Bundesland Schleswig-Holstein, das im Moment ganz ohne professionellen Fußball auskommen muss. Das Arbeiten in Lübeck ist nicht immer ganz leicht: Die sportlichen Höhepunkte liegen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurück, aktuell spielt der Klub in der vierten Liga und 2008 musste sogar Insolvenz angemeldet werden. Umso wichtiger, dass es in der Fanszene stimmt. Um die jungen Anhänger des Vereins mit der ruhmreicheren Vergangenheit vertraut zu machen und die sportliche Tristesse der Gegenwart etwas zu lindern, starteten die Fanprojekt-Mitarbeiter Manuel Kwiatkowski und Peter Schmiedgen in der vergangenen Saison ein ganz besonderes Projekt: die Ausstellung-„Hexenkessel Lohmühle. Eine Zeitreise für Fans von Fans“, die den heutigen Anhängern die Zeit von 1935 bis 2005 nahebringen sollte. Gezeigt wurde sie von März bis Juni 2011 in den Räumen des Fanprojekts.

Das Stadion
Foto: Fanprojekt Lübeck

Glänzende Augen bei alten Spielern und jungen Fans

Manuel Kwiatkowski, selbst im Stadion an der Lohmühle groß geworden, steuerte einen Großteil der Exponate aus seiner eigenen Sammlung bei: „Wir haben jede Menge Zeitungsartikel, Stadionhefte, Trikots und so weiter zusammengesucht. Ich habe Kontakt zu Lübecker Spielern aus den 1950er- und 1960er-Jahren, das war sehr hilfreich. Wir haben zum Beispiel auch einen Arbeitsvertrag von 1957 präsentiert, das ist natürlich ein interessanter Einblick in die Vergangenheit.“

Die alten Herren lieferten jedoch nicht nur Ausstellungsstück, sondern haben das Projekt auch mitbegleitet und bei Veranstaltungen aus der Fußballhistorie des VfB. Zu den Höhepunkten der Lübecker Vereinsgeschichte gehören zum Beispiel die Zeit in der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga Nord. 1958 gelang dabei sogar ein 3:0-Sieg gegen den HSV, den mächtigen Nachbarn aus Hamburg. 1968/69 spielte der VfB (leider erfolglos) um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. „Als die Spieler von diesen Spielern und der Atmosphäre erzählt haben, gab es bei den jungen Leuten richtig glänzende Augen“, sagt Manuel Kwiatkowski. „Aber ich glaube, auch für die Spieler von damals waren diese Begegnungen mit den Fans von heute wichtig und bewegend.“

Lohmühle bleibt

Zu den Fixpunkten der früheren und aktuellen Fan- und Vereinsgeschichte in Lübeck gehört das Stadion an der Lohmühle, das trotz aller finanziellen Engpässe seinen traditionsreichen Namen behalten soll. Knapp 18.000 passen rein, so viele kommen heute natürlich nicht mehr zu den Heimspielen. „Wir haben ungefähr einen Schnitt von 3.000 Fans“, sagt Manuel Kwiatkowski. „Das ist kein Vergleich mehr mit früher, aber für die 4. Liga ist das ziemlich gut.“ Auf den Rängen in Lübeck tummelt sich eine gut funktionierende Ultraszene, die auch die Hauptklientel des Fanprojekts ausmacht. Gemeinsam mit den Fans wird derzeit gerade ein großes Projekt bearbeitet: den Bau einer Fankurve.

Lohmühle
Foto: Fanprojekt Lübeck

„Die Ultras hatten einen Platz auf der Haupttribüne und haben dort auch den Kartenverkauf selbst verwaltet. Nach dem Pokalspiel gegen Holstein Kiel im Juni, bei dem es heftige Ausschreitungen gab, hat der Verein den Fanblock jedoch zugemacht.“ Die Fans selbst suchten nach einer Lösung und schlugen schließlich den Bau einer Fankurve mit Überdachung, Containern und Holzbuden in Eigenregie vor. „Daran wird jetzt praktisch rund um die Uhr gearbeitet und wenn alles gut läuft, sind wir zum nächsten Heimspiel in zwei Wochen fertig“, erzählt Manuel Kwiatkowski.

Schleswig-Holstein in der Pflicht

Aufbauhilfe kann jedoch auch das Fanprojekt selbst gebrauchen. Seit 2008 existiert die Einrichtung in Lübeck in Trägerschaft des Internationalen Bundes und zwar zum zweiten Mal, nachdem es zwischen 2001 und 2003 schon einmal ein Fanprojekt in der Hansestadt gab. Damals musste die Arbeit wegen fehlender Finanzierung durch das Land eingestellt werden. „Das hat den Neuanfang natürlich nicht erleichtert“, sagt Manuel Kwiatkowski. „Die Fans waren erst einmal misstrauisch, weil sie befürchteten, dass es uns nicht lange geben wird.“

Seit einem Jahr wird Manuel Kwiatkowski von Peter Schmiedgen in Teilzeit unterstützt. Der Sozialarbeiter, der aus Fulda in den hohen Norden zog, musste zunächst das Fremdeln der Fanszene mit dem Zugezogenen überwinden, ist inzwischen jedoch akzeptiert. Um die Arbeit der beiden auch in der Zukunft sicherzustellen oder sogar bessere Voraussetzungen zu schaffen, laufen derzeit einige Bemühungen. „Wir versuchen, die Anschlussfinanzierung zu sichern, und sind auch optimistisch, dass es klappt. Wichtig ist vor allem, das Land Schleswig-Holstein in die Verantwortung zu nehmen.“ Und wer weiß, vielleicht wird ja auch im hohen Norden bald wieder Profifußball gespielt.

Die Fanprojekt Mitarbeiter.
Die Fanprojekt Mitarbeiter. Zum Vergrößern bitte anklicken

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