Home  Newsarchiv  2013  (24.09.2013) Kölner Fanprojekt: Aktiv gegen Ausgrenzung und Alltagsrassismus 

25. Sep 2013

Kölner Fanprojekt: Aktiv gegen Ausgrenzung und Alltagsrassismus

Kicken gegen rechts

Den Fußball nutzen, um Rassismus zu thematisieren und gesellschaftspolitische Themen ins Spiel zu bringen – auch das gehört zu den Aufgaben der Fanprojektarbeit. Das Kölner Fanprojekt spricht dazu mit gezielten Aktionen jugendliche Flüchtlinge in einem Übergangsheim an.

Das Kölner Fanprojekt legt in seiner Arbeit einen neuen Schwerpunkt, der über die Begleitung von Fußballspielen weit hinaus geht und bezieht mit Aktionen gezielt junge Flüchtlinge in Köln ein. Die Lebenssituation von Flüchtlingen ist geprägt von einer unsicheren Zukunft, Erfahrungen von Ausgrenzung und alltäglichem Rassismus. Für die jugendlichen BewohnerInnen von sogenannten Übergangsheimen, wo die Flüchtlinge untergebracht sind, stehen zudem in dieser schwierigen Situation wenige Freizeitmöglichkeiten bereit. „Das wollten wir zumindest im Übergangsheim in Köln-Weiden ändern“, sagt Carsten Blecher vom Kölner Fanprojekt. „Der Fußball ist eine Möglichkeit, die wir nutzen können, um die Jugendlichen aus dieser gesellschaftlichen Isolation herauszuholen.“

Das Übergangsheim im Kölner Stadtteil Weiden liegt in räumlicher Nähe zum Kinder- und Jugendzentrum Weiden der Jugendzentren Köln gGmbH (JugZ), die auch Träger des sozialpädagogischen Fanprojekts ist. Dadurch sind einige wenige Jugendliche bereits im offenen Bereich dieser Einrichtung angebunden, zudem entstand eine Verbindung zur Arbeit des Fanprojekts. Neben der Kooperation mit der JugZ wurden die Aktionen zudem in Kooperation mit dem Interkulturellen Dienst der Stadt Köln durchgeführt.

Kicken gegen rechts

Ausgangspunkt war – natürlich – der Fußball: Von Mai bis August 2013 wurden zehn Trainingseinheiten und zwei Turniere mit Jugendlichen durchgeführt. Die Trainings fanden in der Regel wöchentlich auf einem Fußballplatz neben dem Übergangsheim statt. Der bisherige Höhepunkt war ein Fußballturnier, zu dem neben Teams der jugendlichen Flüchtlinge auch TeilnehmerInnen der Polizei, der freiwilligen Feuerwehr und des Jugendzentrums aus dem Stadtteil gewonnen werden konnten. Um den antirassistischen Charakter der Veranstaltung zu unterstreichen, wurde zudem eine Ausstellung des Jugendklubs Courage e.V. zum Thema Rassismus im Fußball sowie zu rechten Parteien und Aktivitäten in Köln präsentiert. Wie wichtig dieser politische Kontext ist, zeigte sich am gleichen Tag: Zum Zeitpunkt des Turniers protestierte wenige Straßen weiter die rechte Bürgerbewegung „Pro Köln“ gegen das Übergangsheim im Stadtteil. In Kooperation mit dem Jugendzentrum Weiden fand zudem ein weiteres Fußballturnier statt, bei dem mehrere Teams aus dem Übergangsheim mit anderen Mannschaften im Streetsoccer-Court des Fanprojekts spielten. „Die Trainings und Turniere haben den Grundstein für eine weitergehende Betreuung der jugendlichen BewohnerInnen des Übergangsheims gelegt“, sagt Carsten Blecher. Dazu gehören in der Zukunft Heimspielbesuche der Jugendlichen beim FC, Fußballangebote und weitere Veranstaltungen in Kooperation mit dem Jugendzentrum Weiden und dem Interkulturellen Dienst. „Wir werden weiter den Fußball nutzen, um freizeitpädagogische Maßnahmen umzusetzen und damit auch auf die prekäre Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen“, so Carsten Blecher vom Kölner Fanprojekt.

Gedenkstättenfahrten

Ein weiterer Bestandteil der Fanprojektarbeit in Köln, mit dem jugendliche Fans für die Themen Rassismus und Antisemitismus sensibilisiert werden, sind Gedenkstättenfahrten. Im Rahmen des letzten Saisonspiels der abgelaufenen Spielzeit gegen den FC Ingolstadt ging es dabei mit einer U18-Gruppe auch in die Gedenkstätte Dachau. An der Fahrt nahmen auch drei der Jugendlichen aus dem Übergangsheim teil.

Für den Oktober steht eine längere Reise auf dem Programm. In den Herbstferien reist in Kooperation mit dem Fanprojekt Aachen eine Gruppe von zehn Jugendlichen aus Köln und zehn aus Aachen vom 20 bis 25. Oktober nach Krakau. Dort sind ein Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Ausschwitz mit vorbereitenden Gesprächen, eine Besichtigung der Emailefabrik von Oskar Schindler und eventuell ein Fußballspiel geplant. Unterstützt wird die Reise auch von der Deutschen Fußball Liga.

Mehr zum Kölner Fanprojekt lesen Sie in unserer Rubrik Fanprojekte.

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