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30. Jan 2014

„!Nie wieder“ in Frankfurt: Gedenken und Vorausschauen

Mit einer großen Konferenz beging die Initiative „!Nie wieder“ den 10. Erinnerungstag im deutschen Fußball. Im Fokus standen neben dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus heutige und zukünftige Aktivitäten von Fans, Vereinen und Fanprojekten gegen Rechtsextremismus.

Zur Konferenz zum 10. Erinnerungstag im deutschen Fußball kamen vom Mitte Januar Verbands- und Medienvertreter, Fans, Fanprojekte und Interessenten in Frankfurt zusammen. Bei der dreitägigen Veranstaltung mit Vorträgen, Workshops und Konzerten wurde geredet, diskutiert und an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Schirmherr der Veranstaltung war Willi Lemke, UN-Sonderbotschafter für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung.

Vor zehn Jahren hat ein Bündnis von Einzelpersonen, Fangruppen und Verbände den Erinnerungstag im Fußball ausgerufen, der Anstoß für die Initiative „!Nie Wieder“ kam aus München – von Eberhard Schulz von der evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau und den „Löwen-Fans gegen rechts“. Jährlich werden seitdem rund um den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus von Fans und Vereinen Veranstaltungen und Aktionen im Fußball durchgeführt. Zum 10-jährigen Jubiläum der Initiative !Nie wieder kamen insgesamt 270 Gäste in die Räumlichkeiten des Landessportbunds Hessen, sowie der Frankfurter Commerzbank-Arena.

Teilnehmer der Konferenz

Das Engagement der Fanprojekte

In insgesamt neun Panels, die jeweils in drei Workshops aufgeteilt waren, wurden unterschiedliche Themen aufgegriffen, diskutiert und bearbeitet. Dabei ging es zum einen darum, an Vergangenes zu erinnern (z.B. „Die vergessenen Arbeiterfußballer“ Panel 1) und aus der Geschichte zu lernen (Panel 3), zum anderen aber auch darum, aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse zu diskutieren („Einfluss und Macht von Neonazis im Fußball“ Panel 9). Auch die Koordinationsstelle Fanprojekte, vertreten von Gerd Wagner, leitete ein Panel („Unsere Kurve – kein Platz für Rassismus und Diskriminierung!“). Darin sollten an den Beispielen der Fanprojekte München, Frankfurt und Halle aktuelle Initiativen der Fanprojekte gegen Antisemitismus und Diskriminierung aufgezeigt werden.

Andrea Sailer vom Fanprojekt München unternimmt seit April 2008 fußballspezifische Führungen mit Gästefans durch die Gedenkstätte Dachau. So wird nicht nur über die Geschichte geredet, sondern die Auseinandersetzung geschieht an einem Ort, der für so viel Grauen gesorgt hat. Außerdem gibt es hier die Möglichkeit, mit Zeitzeugen zu diskutieren und sich zudem über aktuelle Erfahrungen beim eigenen Verein auszutauschen.

Das Fanprojekt Frankfurt wurde 2012 mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB ausgezeichnet. Das Fanprojekt organisierte eine Bildungsreise mit Fans nach Ausschwitz, die intensiv vor- und nachbereitet wurde. Von dem erhaltenen Preisgeld initiierte das Fanprojekt wiederum einen eigenen Preis „Im Gedächtnis bleiben“, der an Initiativen aus der Frankfurter Fanszene vergeben wird. Zusätzlich installierte das Fanprojekt eine dazugehörige Website www.im-gedaechtnis-bleiben.de, die sich hoffentlich zu einem lebendigen Forum gegen jegliche Art von Diskriminierung entwickeln wird.

Zu guter Letzt stellte das Fanprojekt Halle seine Fahrt nach Israel mit zehn Fans vor. Auch diese wurde intensiv durch das Fanprojekt vorbereitet, u.a. mit einem Theaterprojekt in dem es um eigene Normen und Werte ging. Die Fans führten über ihre Erlebnisse in Israel ein Tagebuch, das im Internet veröffentlicht wurde. Auch daheimgebliebene Fans konnten so nachlesen, was in Israel erlebt wurde.

Rechtsextremismus heute

Im Anschluss an der Darstellung dieser konkreten Erfahrungen wurde intensiv über Möglichkeiten, aber auch Hindernisse im Engagement der Fanprojekte für eine diskriminierungsfreie Fankurve diskutiert. Gerd Wagner zeigte sich über den Ablauf der Workshops zufrieden: „Es war schön zu hören, dass die vielen Initiativen der Fanprojekte von den Fanszenen so positiv aufgenommen werden. Leider zeigt sich aber auch, dass die Fanprojekte in ihren Möglichkeiten eingeschränkt sind, regelmäßig solche Projekte anzubieten. Denn dazu gehört nicht nur eine intensive Vorbereitung, sondern auch ein hoher finanzieller und personeller Aufwand“, so Wagner.

Abgeschlossen wurde die Tagung mit aktuellen Diskussionen um rechtsextremistische Strukturen im Profifußball. DFB-Präsident Niersbach und DFL-Präsident Rauball nahmen dazu nach der Podiumsdiskussion einen Brief von Fanvertretern aus Aachen, Braunschweig und Duisburg entgegen und versprachen, Gruppen die sich für ein antidiskriminierendes Verhalten einsetzen, zu unterstützen. Hier bleibt anzumerken, dass trotz der großen Teilnehmerzahl, leider nur wenige Vereinsvertreter aus dem Profifußball anwesend waren. Gerade die abschließende Podiumsdiskussion machten jedoch deutlich, dass ein größeres Engagement der Vereine in der Zukunft viel zu einer vorurteilsfreien Fan- und Fußballkultur beitragen könnte.

Am 17. Februar 2014 wird ein Auswertungstreffen der Initiatoren stattfinden, auf dem über die weitere Zusammenarbeit und neue Aktionsmöglichkeiten gesprochen wird.

Pressespiegel zur Veranstaltung:

DFB: Die Gedenkkultur im Fußball wandelt sich

DFL: Nie wieder! – Erinnerungstag im deutschen Fußball

FR: Kein Platz für rechte Gesinnung

Südkurier/dpa: Niersbach: Entgleisungen in Stadien nicht übersehen

Schwatzgelb.de: Nie wieder! – Erinnerungstag im deutschen Fußball

Deutsche Akademie für Fußball-Kultur – 10 Jahre !Nie wieder

Video zur Tagung:

http://tv.dfb.de/index.php?view=6910

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