Home  Newsarchiv  2011  (31.10.2011) 20 Jahre Fanprojekt Jena 

20 Jahre Fanprojekt Jena

Fankurve Banner Jubiläum

Glückwunsch, Jena! Der „Oldie“ unter den ostdeutschen Fanprojekten feierte vor Kurzem sein 20-jähriges Jubiläum. Zum Gratulieren kamen viele Gäste aus Fußball, Politik und natürlich der Fanarbeit. Wir werfen einen Blick aufs Festprogramm und die Geschichte des Fanprojekts Jena.

Gefeiert wurde in Jena dem Anlass angemessen gleich ein paar Tage lang: Zum Auftakt am 10. Oktober wurde die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“, eröffnet, die in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Landesbüro Thüringen und „KoKont“ von Montag bis Freitag in den Räumen des Fanprojektes gastierte und Ausstellungsbesuche mit Filmvortrag für Schulklassen während der Woche ermöglichte. Im Rahmen der Eröffnung betonte FC-Präsident Rainer Zipfel, dass auch ein Fußballverein die Verantwortung habe, sich mit dem Thema Rechtsextremismus auseinanderzusetzen. Eine Party im Jenaer Kulturzentrum „F-Haus“ sowie eine bestens besuchte Lesung von Fußballautor Christoph Ruf im Fanprojekt am Donnerstagabend waren weitere Vorbereitungen für den Höhepunkt der Feierlichkeiten: die Festveranstaltung mit 100 Gästen am Freitagmittag im VIP-Zelt des Ernst-Abbe-Sportfeldes.

Zuschauer Jubiläumsfest

Zahlreiche Gratulanten

Gäste aus Politik, Sport, Fanarbeit und Kommune ebenso wie Vertreter der Fanszene waren gekommen, um das Fanprojekt zu feiern. Zu ihnen gehörten auch zahlreiche Festredner wie die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit Heike Taubert, der Jenaer Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter, DFB-Vertreter Martin Spitzl, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Katrin Göring-Eckardt, Ralph Lenkert (Bundestagsmitglied für DIE LINKE), Uwe Barth (Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag), LSB-Hauptgeschäftsführer Rolf Beilschmidt, Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte oder Ostverbundssprecherin Korinna Dittrich für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte. Von der guten Zusammenarbeit mit dem Verein FC Carl Zeiss Jena zeugte nicht nur die Anwesenheit des Präsidenten, sondern auch zahlreicher weiterer aktueller und ehemaliger Funktionäre wie  Vizepräsident Rosenberger, Beisitzer Wiese, Geschäftsführer Stapelfeld, Pressesprecher Trautmann sowie die ehemaligen Präsidenten Schmidt, Bieräugel, Kurbjuweit und Beyer.

Titel Festschrift

Die Festreden und weitere Beiträge sind in der eigens herausgegebenen Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum dokumentiert

Das erfolgreiche Wirken des Fanprojekts wurde jedoch nicht nur in den Festreden und Grußworten gewürdigt, sondern zudem symbolisch durch die Überreichung des Qualitätssiegels „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“, die Prof. Dr. Gunter A. Pilz als Vorsitzender der AG Qualitätssicherung. Leider konnte der sportliche Teil nicht mit ganz mithalten: Das Spiel gegen die Zweitvertretung des VfB Stuttgart ging verloren, zum Trost blieb die Gratulation per Spruchband aus der Südkurve. Ihren Abschluss fand die Festwoche in Jena schließlich mit einer weiteren Lesung: Aus der Neuerscheinung „Zonenfußball“ lasen Herausgeber Frank Willmann und Mitautorin Gabriele Damtew.

Fanprojekt mit Kontinuität

Das Fanprojekt Jena hat mit seinen 20 Jahren schon eine lange Geschichte hinter sich, im Osten Deutschlands ist es ohnehin ein echter das langlebigste Projekt. KOS-Leiter Michael Gabriel weist in seinem Grußwort zur Festschrift auf den Einsatz und Risikobereitschaft der Kommune hin, die 1991 das Projekt unterstützte. Das, so Gabriel, erforderte „zu Beginn einiges an struktureller und finanzieller Improvisationskunst. Aber, die kommunalpolitisch Verantwortlichen, die damals das Fanprojekt Jena auf den Weg gebracht haben, dürfen sich heute mit Blick auf die herausragenden Ergebnisse der Arbeit des Fanprojektes für diese mutige Entscheidung gratulieren lassen.“ Auch die nachhaltige Unterstützung der Fanarbeit durch den Verein und die Institution des Fanbeauftragten sowie das Engagement der Jenaer Fanszene nicht nur im Stadion, sondern auch darüber hinaus, wurde von Michael Gabriel hervorgehoben. Volker Goll hob in seiner Rede bei der Festveranstaltung die personelle Kontinuität im Fanprojekt Jena hervor – ein „Schlüssel für den Erfolg der Fanprojektarbeit“, da sie Grundlage für eine gute Zusammenarbeit mit Träger, Stadt und Verein, aber auch für den unerlässlichen vertrauensvollen Kontakt in die Fanszene ist.

1994 - Fanturnier
1994 - Fanturnier

Von Kontinuität darf in Jena wirklich gesprochen werden: Der erste Mitarbeiter Uwe Dern wechselte nach fast einem Jahrzehnt in die Vereinsarbeit, Fanprojektleiter Matthias Stein ist bereits seit 1994 dabei und nicht nur im Fanprojekt Jena, sondern auch überregional in der BAG und bei den von der KOS geleiteten Fanbetreuungseinsätzen zu internationalen Turnieren dabei. Ihm zur Seite steht seit 1998 Lutz Hofmann, der ebenfalls längst nicht mehr wegzudenken ist aus dem Fanprojekt Jena, sowie Christian Helbich, der 2008 als Praktikant begonnen hatte. Denn unterstützt wird und wurde die Arbeit der hauptamtlichen Kollegen in Jena wie auch an anderen Standorten von weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die als Honorarkraft, für ein Praktikum oder teilweise auch ehrenamtlich im Einsatz sind.

Dicke Kinder und engagierte Ultras

Team mit Fanzine

Einige weitere wichtige Meilensteine der Geschichte des Fanprojekts Jena, die in der Chronik der Festschrift Erwähnung finden, sind etwa die Fanzines: Zunächst war da 1995 der „Aufsteiger“, aus dem dann „Die dicken Kinder von Jena“ wurde, jeweils herausgegeben vom Fanprojekt in der Hochzeit der Fanzines in den 1990er-Jahren. Im Januar 1998 konnte mit der Einweihung des „Street-Soccer-Mobil“ die erste Streetsoccer-Tour gestartet werden, ein bis heute erfolgreiches und pädagogisch unbedingt sinnvolles Projekt, gerade auch um den Fußball und die Botschaft von Antirassismus und Integration über die Stadtgrenzen von Jena hinaus auch in die umliegende Region zu tragen. Ebenfalls wichtig für die Arbeit war die Gründung der Ultragruppierung „Horda Azzuro“ 2001, die sich auch stark in Projekten gegen Diskriminierung engagiert. Ebenso wie der 2008 mit Unterstützung des Fanprojekts gegründete Verein Hintertorperspektive e.V., der mit dem Flutlicht-Festival weitere Signale für die Verbindung von Fußball und gesellschaftspolitischem Engagement in Jena setzt.

In all diesen Jahren seit 1991 passierte natürlich auch viel auf dem Platz: Der FC Carl Zeiss Jena stieg ab und wieder auf und wieder ab, schrieb mit dem Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals 2008 (beinahe richtig große) Pokalgeschichte. Ähnlich wechselhaft verlief daneben die Förderungsgeschichte des Fanprojekts, 2005 stand es praktisch schon vor dem Aus, die Mitarbeiter waren bereits arbeitslos. Inzwischen jedoch ist die Förderung verstetigt und gesichert – das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ hängt über dem Schreibtisch und neue Initiativen wie die Kooperation mit dem neu gegründeten polnischen Fanprojekt bei „Polonia Warszawa“ sind in Arbeit. Die nächsten 20 Jahre können also kommen.

Mehr Infos zum Fanprojekt Jena finden Sie in unserer Rubrik Fanprojekte.

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